Hallo perfekte Mamas, wir haben mal etwas zu besprechen. Ich fühle mich manchmal gejagt von Euch, von Euren hohen Maßstäben. Warum haltet ihr nicht mal den Ball flach und lasst es ruhig laufen?

 

Perfekt gebettet: Säuglinge für den Laufsteg

Angefangen hat die Jagd auf der Säuglingsstation. Neben mir lag die Mutter des kleinen Pedro.  Sie hatte für ihren Sohn fünf verschiedene, nagelneue top Baby-Outfits, alle in Größe 56. Zusätzlich lagen in seinem Bett drei Kuscheltiere, die er weder gesehen hat, noch nach ihnen greifen konnte.

Wir hatten Strampler in Größe 62, alle Second-Hand. Weil die 56 nur für wenige Wochen passt. Unser Baby sah aus, als hätte sie sich heimlich bei der großen Schwester bedient.

Ich fühlte mich herzlos.

Perfekt gedresst: Babyausstattung kann eine Wissenschaft sein

Dass dieser Anfang nur ein winziger Vorgeschmack war, wurde mir erst später bewusst. Als bei jedem Spielplatz- und Kinderarztbesuch Mütter aus dem Boden schossen, die perfekt schienen.

Sie waren bis an die Zähne bewaffnet mit Babyausrüstung. Mit farblich auf den Kinderwagen abgestimmten Trinkfläschchen. Mit fünf verschiedenen Sorten selbst gebackener Hirsekringel. Mit zwei Ersatzpackungen Feuchttücher. Ihre Kinder durften drei verschiedene Plüschtiere mit zum Spielplatz nehmen und über das Areal verteilen. Die Mütter saßen derweil drei Stunden im Sand und füllten Förmchen für die Kleinen. Einige saßen auf der Bank und rätselten gemeinsam, wie wenig man in der Stillzeit essen darf, damit der After-Baby-Body schnell wieder schlank ist.

Ich war verwundert, aber beschloss, meine Art die Dinge zu regeln irgendwie besser zu finden. Eine Flasche Wasser, ein paar Zwiebacks, ein Plüschtier, auf das man aufpassen muss und natürlich habe ich meine Tochter angeregt, mit anderen Kinder gemeinsam zu buddeln. Nein, reden wir nicht über meinen After-Baby-Body. Ich kann nur sagen: In der Stillzeit brauchte ich offensichtlich Energie.

Perfekt gebacken: Geburtstagskuchen als Challenge

Kaum konnte mein Kind sprechen, begann ich zu spüren, dass ich unterdurchschnittlich war. Als ich plötzlich von meiner Zweijährigen in ein Gespräch über Geburtstagskuchen verwickelt wurde. Sie erzählte mir, dass Julias Mama für die Kita ein Prinzessinnenschloss gebacken hatte. Mit kleinen Prinzessinnen aus Marzipan. Ja genau, für Kinder zwischen ein und drei  Jahren, die auch von einem Schokokuchen mit Smarties begeistert sind. Das Gespräch über den Kuchen hatte sie angefangen, weil sie mir mitteilen wollte, dass sie sich eine Ritterburg wünscht.

„Die Mama kann nur Schoko und Nuss!“, habe ich ihr gesagt und nach nur zwanzig Minuten Enttäuschung und Geheule war sie so weit mir zu sagen, dass sie mich trotzdem liebhat.

Ich fühlte mich verärgert über die Mutter, die so sorglos mit den immer steigenden Erwartungen ihres noch sehr kleinen Kindes umgeht. Was will sie für einen Geburtstagskuchen backen, wenn die Kleine zehn wird? Disneyland im Maßstab 1: 400.000?

Perfekt dekoriert: Wohnungen, in denen augenscheinlich nur Kinder leben

Ich komme immer wieder in Familienwohnungen aus der Kinderhölle. Wie bei einer lustigen Schnitzeljagd, verteilen sich dort Spielzeuge im gesamten Wohnbereich. Damit meine ich jetzt nicht tagsüber, wenn Kinder ihrem natürlich Verhalten gemäß die gesamte Wohnung in ihre Spiele einbeziehen. Das ist bei uns auch nicht besser. Ich meine die dauerhafte Lagerung von Spielzeug in allen Räumen. Den großen Bauernhof von Schleich, der mitten im Wohnzimmer stehen bleibt. Über Wochen, damit immerzu sofort weitergespielt werden kann. In der Wohnung einer Bekannten gibt es tatsächlich nur noch kleine Trampelpfade, zusätzlich hört die Tochter auf einem tragbaren CD-Player den ganzen Tag Kindergartenlieder. In der gesamten Wohnung herrscht eine Atmosphäre, wie man sie im Kinderzimmer erwarten würde. Wenn man nach den Gründen fragt, hört man, dass das Kinderzimmer zu klein ist für das ganze Spielzeug. Noch nie war zu hören, dass die Spielsachen zu viel sind für das ganze Kinderzimmer.

Ich fühle Fassungslosigkeit. Ich brauche, wenn das Kind endlich im Bett ist, eine Umgebung die für Erwachsene gemacht ist. Und kann mir nicht vorstellen, dass die Eltern, die das anders handhaben, damit wirklich glücklich sind. Ich finde dieses Bedürfnis völlig normal. Spielzeug wird weggeräumt, damit man am nächsten Tag weiterspielen kann. Wir achten darauf, regelmäßig Dinge aus dem Kinderzimmer zu entsorgen, damit neue Platz haben. Und Spielzeuge, die für das Kinderzimmer zu groß sind, sind auch zu groß für unsere Wohnung. Auch wenn unser Kind das nicht toll findet, sie muss lernen, dass Wohnraum eine begrenzte Ressource ist.

Perfekt gefeiert: Kindergeburtstage, die Beyoncé Knowles gefallen würden

Blue-Ivy, die kleine Tochter von Beyoncé und Jay-Z, hatte vor kurzem Geburtstag. Das Budget der Veranstaltung soll laut Klatschpresse um die 200.000 Dollar betragen haben. Allein der Blumenschmuck für die Zweijährige kostete ungefähr 80.000 Dollar. Ja, das lesen wir gerne und schütteln den Kopf. Auch über die diamantenbesetzte Barbie, mit der Blue-Ivy bestimmt nicht spielen darf. Aber rechnen wir das mal runter auf unsere Einkommensverhältnisse. Beyoncé und Jay- Z sollen monatlich 10.521.343 US Dollar verdienen. Dann wären die Ausgaben für Blue-Ivys feine, kleine Feier zwei Prozent ihres monatlichen Einkommens

Ein weit überdurchschnittliches deutsches Familien Monats Netto beläuft sich auf ungefähr 3.000 Euro, davon wären zwei Prozent ziemlich genau 60 Euro! Das würde für eine Fete, wie sie heute üblich ist, nicht reichen.

Wir waren bei einem sechsten Geburtstag eingeladen. Zwölf Kinder im Indoorspielsplatz (pro Kind 9,50 Euro). Jedes Kind Würstchen und Pommes plus Getränk (6,80 Euro). Nachmittags zuhause eine riesige Torte vom Konditor (50 Euro). Im Garten eine Hüpfburg (80 Euro) und ein Zauberer, der die Show abrundete (40 Euro). Jedes Kind bekam ein Tütchen, in dem sich eine Playmobilfigur und Süßigkeiten befanden (8 Euro). Macht insgesamt 461,60 Euro und da war noch kein einziges Geschenk für das Geburtstagskind dabei. Das wären 15,38 Prozent des Einkommens, mit dem ich gerechnet habe.

Mein Fazit?

Klar:

Wir müssen und können mit den Beyoncés vom Spielplatz leben. Führt kein Weg dran vorbei. Aber: Wir müssen keine Beyoncé sein. Wie schön die Kindheit von Pedro, Julia und Blue-Ivy sein wird, hängt nicht von farblich abgestimmten Trinkfläschchen und Designertorten ab. Richtig?

Ich fühle Mitleid mit Blue-Ivy Knowles. Wie unfair, dass Mummy und Daddy ausgerechnet am Geburtstag so rumknausern.