Medienkompetenz

Internet in der Schule, YouTube zuhause, chatten in WhatsApp Gruppen, Videos per Snapchat- Wer soll unsere Kinder darauf vorbereiten, was auf sie zukommt. Das geht schon im Kindergartenalter los!

Wir haben einige Eltern zu ihren Erfahrungen befragt und für Euch ein paar Studien angeschaut

Nicht nur Meetings und Kundentermine stressen. Auch so ein Kindergartenvormittag kann manchmal ganz schön schlauchen!

Wenn Tini (4) sich nach dem Kindergarten und Mittagessen überfordert fühlt und erst einmal runterkommen möchte, darf sie eine Stunde lang vor einem Bildschirm ihrer Wahl verbringen. Das ist der Deal, den sie mit ihren Eltern vereinbart hat. Wenn es um Kinder und Medienkompetenz geht, sind vier von fünf befragten Elternpaaren ratlos. Und das fünfte hat mich ziemlicher Sicherheit jede Art von Bildschirm aus dem Haushalt verbannt. Das aber, finden die meisten Eltern, ist auch keine Lösung. Kinder müssen den richtigen Umgang mit digitalen Medien lernen.

Medienkompetenz

Keine Schule für Medienkompetenz, aber lustiges Spielzeug! 😉

Drei Eltern haben mit uns über Medienkompetenz gesprochen

Wir haben drei Elternteile befragt und sie sind sich einig: Damit Kinder ab 4 Jahren sicher und fit im Umgang mit Handy, Laptop, iPad und Fernseher werden, muss die Balance stimmen. Die Kleinen sollen nicht stundenlang vor den Geräten herumhängen, die digitale Welt soll ihnen aber auch nicht verboten werden.

„Beide Wege fände ich vollkommen falsch“ sagt Tinis Mutter Petra stellvertretend für die Eltern, die wir für diesen Artikel interviewt haben.

Was darf überhaupt konsumiert werden?

Die meisten Mütter und Väter achten vor allem auf die Qualität der genutzten Medien. Die altehrwürdige „Sendung mit der Maus“ gilt unumstritten als Favorit und „sauber“. Dagegen sind Toggo mit seinen Werbeeinblendungen und vor allem „Youtube“ weniger beliebt.

Bernd aus Berlin über seine Strategie:

Bernd Hofmann, dreifacher Vater aus Berlin, berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Videokanal: „YouTube darf meine Kleine (5 Jahre) nur unter Aufsicht nutzen. Schon wegen der ganzen Emotionen, die dort auf untrainierte Gehirne prasseln. Das müssen Eltern begleiten, alles andere halte ich für fahrlässig.“

Seine Auswahl: „Sendungen wie Laura, Petterson & Findus oder Connie. Die sind harmlos und generell okay.“  Sein TV-Favorit ist Kika: „Weil KiKa werbefrei ist und das Programm finde ich auch in Ordnung.“

Petra aus München hat selbst erlebt was passiert, wenn man zu sorglos ist.

Die Münchnerin Petra hat mit ihrer Tochter Tini auch aus YouTube-Erfahrungen gelernt: „Meine Güte, ich habe das mit der Werbung absolut unterschätzt. Und das sage ich, als Marketingexpertin.  Ich habe es einfach zu spät kapiert.“ Sie ließ Tini neben sich auf der Couch YouTube gucken, und am Abend wusste die Kleine plötzlich, dass die Paula Puddings „von Dr. Oetker gemacht“ sind, ohne lesen zu können natürlich. „Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Tini liebte die lustige Kühe von Dr.Oetker und die tanzten mitten im Kinderprogramm bei YouTube rum, das war mir nicht klar… ich Depp.“

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Sogar Schlüsselanhänger gibt es von der Paula Kuh!

Zwar wusste sie, wie auch Vater Bernd, dass man die mit gelben Markierungen gekennzeichnete Anfangs-Werbung wegklicken kann, das zwischengeschnitten wird, war ihr aber nicht bewusst.

Petra: „Klar, die Pre-Rolls (Werbeeinblendung vor dem Video) kann man überspringen, aber die geliebten tanzenden Kühe waren einfach in ein paar Unboxing-Videos von Playmobil reingeschnitten. Das hat sie so häufig gesehen, dass die Werbebotschaft voll angekommen ist. So ein Mist!“

Natürlich ist Werbung Teil unserer Welt und auch für Kinder keine lebensbedrohliche Beeinflussung, aber man fragt sich natürlich wie Werbebotschaften auf ein Kinderhirn wirken. Kinder können die Botschaften ja nicht differenzieren.

Was schauen Kinder bei YouTube?

Unboxing-Videos sind ein großer Hit bei Kindern – hier werden Spielsachen ganz frisch der knisternden Packung entnommen. Tini findet: „Das ist ein bisschen wie Weihnachten, am liebsten mag ich die Playmobil Filme“.

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Bei so großen Sets, kann ein Unboxing Video schon mal 15 Minuten dauern

Das ist dann zwar auch irgendwie Werbung, aber eben Spielzeug-Werbung. Damit können und müssen die meisten Eltern heutzutage leben. Die großen Serien-Favoriten der kleinen Tini sind momentan übrigens Paw Patrol, Bob der Baumeister, Bibi und Tina. Auch der kleine, glatzköpfige „Caillou“ wird von den Allerkleinsten (2 bis 4 Jahre) geliebt. Er gilt, laut unserer Umfrage, aber auch als Favorit der Eltern.

Claudia aus Nürnberg ist Mutter der fünfjährigen Maja und wenn „Caillou“ läuft, ist sie zufrieden. „Bei Caillou passiert eben nichts außer Alltag. Da kann es in einer Folge auch mal nur darum gehen, einen Zebrastreifen zu überqueren oder den Briefträger zu treffen. Das ist ein sicheres Programm.“

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Mit Caillou kann man nicht viel falsch machen

Mit Youtube Kids ist zukünftig zumindest sicher gestellt, dass die Kinder nur Inhalte sehen, die für sie bestimmt sind. Hier findet ihr einen Eltern-Test zu Youtube Kids!

Neue Studie zu den Vorlieben der Kinder

Jetzt wird es ein bißchen theoretisch, aber vielleicht interessiert den einen oder anderen Leser ja auch, was denn so geforscht wird zum Thema Mediennutzung.

Die neueste Studie ist die „Kinder Medien Studie 2018“. Hierzu wurde das Medien-Verhalten von Kindern zwischen vier und 13 Jahren untersucht. Welche Medien konsumieren die 7,17 Millionen Kinder zwischen vier und 13 Jahren in Deutschland? Die Macher sprachen mit 400 Elternteilen von Vier- und Fünfjährigen und 1600 6- bis 13-Jährigen. Die älteren Kinder wurden direkt befragt, es war aber stets ein Elternteil dabei.

Das Ergebnis – salopp formuliert: Digitale Medien sind attraktiv, aber Bücher sind es auch. Das ist doch ein erfreuliches Ergebnis!

Die KiM-Studie zeigt, dass bei der Freizeitgestaltung “mit Freunden zusammen sein” und „draußen spielen” angeblich noch immer ganz oben rangieren. Außerdem lesen die Kinder immer noch gerne Bücher und Print-Magazine.

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Hier ist ein gutes Buch, das die wichtigsten Themen beleuchtet

Die Studie wurde von großen Verlagen beauftragt. Das kann die Ergebnisse beeinflussen

Das muss man dazu wissen: Initiiert wurde die Studie von sechs Verlagen mit vorwiegend Print-Produkten im Angebot: Blue Ocean Entertainment AG, Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner + Jahr, Panini Verlags GmbH, SPIEGEL-Verlag und ZEIT Verlag.

Laut der Studie liegen iPad, Handyspiele, Konsolen, Gameboy oder Nintendo erstaunlicherweise hinter dem klassischen Fernsehen, das auf Platz eins rangiert, gefolgt von Musikhören.

Digitale Spiele nutzt laut KiM nur ein Fünftel der Vorschulkinder “mindestens mehrmals pro Woche”, bei den 10- bis 13-Jährigen sind es dagegen 73 Prozent. Das Interesse an YouTube und DVDs und am Chatten und Telefonieren steigt im Laufe der Lebensjahre. Letzteres tun eigener Auskunft nach 78 Prozent der 10- bis 13-Jährigen “mindestens mehrmals pro Woche”. Das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Comics liegt mit 69 bis 77 Prozent bei allen Altersgruppen im Schnitt an dritter Stelle.

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Ein tolles Buch für Eure Kinder

Nach dem für die Print-Verlage erfreulichen Ergebnis, hat auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die kindliche Mediennutzung erforscht

Sie stellte die Blikk-Studie vor, erarbeitet vom Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der RFH Köln (iMöV) und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) . Gemeinsam haben sie das Projekt „BLIKK-Medien – Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien“ entwickelt.

BLIKK steht hierbei für „Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation“.

Unter anderem sollte die Medienstudie folgende Fragen klären: Wie lässt sich ein normaler oder ein erhöhter Mediengebrauch definieren? Und welche Auswirkungen hat ein erhöhter Mediengebrauch auf die körperliche, geistige, soziale und schulische Entwicklung von Kindern?

Die Ergebnisse:

70 % der Kinder im Kita-Alter benutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.

Es gilt deshalb auch für die Eltern: Wird eine digitale Medienkompetenz nicht frühzeitig erlernt, besteht ein erhöhtes Risiko, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können.

Die Medienkompetenz muss auf beiden Seiten erlernt werden, Mutter Petras Fall der „Tanzenden Kühe“ zeigt dies ganz gut.

Die BLIKK-Studie machte auch die gesundheitlichen Risiken übermäßigen Medienkonsums für Kinder deutlich: Sie reichen von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter. Wenn der Medienkonsum bei Kind oder Eltern auffallend hoch ist, stellen Kinder- und Jugendärzte überdurchschnittlich viele Auffälligkeiten fest. Begleitung für Kleinkinder ist deshalb ein Muss!

Digitale Spiele oder YouTube generell zu verteufeln, erfasst aber den Kern des Problems nicht! Man kann ja nicht Kinder von Medien fern halten, die ihr ganzes Leben lang wichtig sein werden. Es ist unsere Pflicht als Eltern, die Kinder auf die Welt von morgen vorzubereiten- und wer sagt, das ginge ohne digitale Medien, der legt jetzt mal besser schnell das Handy weg. 🙂

Eltern sind auf der Suche nach dem Königsweg also auf sich gestellt, erst wenn die Situation aus dem Ruder läuft, kann man auf Expertenhilfe zurückgreifen.

Unsere drei befragten Eltern hören auf ihr Bauchgefühl und ihren Verstand. Sie sind alle Eltern von Vorschulkindern und haben somit noch die Kontrolle über die Spiele und den Medienkonsum. Alle sind sich einig, dass die Kinder die digitalen Geräte erlernen müssen, um später mithalten zu können. Begleitetes Gucken und Spielen ist ihnen wichtig, damit die Kinder zeitgemäß aufwachsen und später keine Nachteile haben. Wirklich wichtig ist es hinzuschauen, die Inhalte bewerten zu können und sich mit „Bildschirminhalten“ genauso intensiv zu beschäftigen, wie mit anderen Kinderspielen. Wenn nicht sogar mehr!

Sie würden sich, wie viele Eltern, ein Schulfach „Medienkompetenz“ wünschen. Hier sind Bildungseinrichtungen, Lehrer und Schulen gefragt. Der Bedarf ist da, denn für jedes Kind ist eine rundum kompetent erlernte Medienerfassung für das spätere Leben unerlässlich.

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Für Eltern, macht Euch schlau!

Hier geht es zu einer sehr interessanten Studie, des Deutschlandfunks. Leseempfehlung!

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