Bunt und fröhlich muss ein Kindergarten sein. So wie die tägliche Stiefelparade an der Garderobe.

An jedem zweiten Morgen startet meine Fünfjährige eine eifrige Diskussion, warum sie heute nicht in den Kindergarten gehen kann. Ich lasse sie die Gründe aufzählen, und manchmal machen wir auch zusammen blau. Ausnahmsweise.
Geht sie aber zögernd hin, erzählt sie mir am Abend oft, dass es doch richtig schön war im Kindergarten. Dann bin ich froh. Frage mich aber insgeheim, warum der Kindergarten manchmal so eine Last für sie ist. Und weil ich sie verstehen will, habe ich sie gefragt, wie ein optimaler Kindergarten für sie eigentlich aussehen müsste. Dann hat sie ihn mir beschrieben, den „Kindergarten ihrer Träume“.

 

“Ich mag nicht in den Kindergarten”, sagt das Kind

Meine persönlichen Favoriten in ihrer unendlich langen Liste ausgeklügelter Gründe sind:

1. Mein Elefant ist krank, jemand muss sich um ihn kümmern
2. Wenn ich in den Kindergarten gehe, dann musst Du ja ganz alleine arbeiten
3. Gestern gab es ein Mittagessen, das ich nicht mochte. Jetzt habe ich solche Angst davor im Kindergarten zu essen
4. Es kann sein, dass wir heute kein Papier zum Malen haben, das finde ich eine Zumutung für uns Kinder
5. Der Elefant ist zwar wieder gesund, aber er hat sich heute Nacht den Rüssel angehauen, nicht das da etwas gebrochen ist
6. Die Bausteinecke ist seit gestern gesperrt, weil die Jungs da nicht aufgeräumt haben, jetzt darf keiner mehr etwas bauen.

Warum ist der Kindergarten manchmal bloß so schlimm?

Wenn die Gründe wirklich originell sind, dann habe ich schon mal einen Tag lang mit ihr blau gemacht. Natürlich ist das ein Fehler, den man in den nächsten drei Wochen bereut, weil das Kind nicht versteht, was eine Ausnahme ist.
Ach ja, und außerdem: Wenn ich sie abhole, berichtet sie an neun von zehn Tagen, dass es heute doch ganz toll war.

Okay. Wenn es aber im Kindergarten so schlimm ist, dass das Kind Ausreden erfindet, muss man da nicht intervenieren? Und auf die wahren Gründe kommen?

Weil ich nicht Gefahr laufen wollte, ihr einen Grund in den Mund zu legen, haben wir uns über den „Kindergarten ihrer Träume“ unterhalten.

 

Der Kindergarten ihrer Träume

Hier erstmal eine Skizze:

Der Kindergarten ihrer Träume. So stellt sich das Kind den perfekten Kindergarten vor.

Rechts sieht man die freundliche Essensausgeberin, in braun wurden die verschiedenen Ebene skizziert, die gelben Kinder davor spielen mit Bausteinen. Unsichtbar, aber immer zur Stelle: Der Tröstedienst mit Blaulicht auf dem Kopf und Schlüsseln für den Pflasterschrank.

Wie funktioniert der Kindergarten der Träume?

Erzieher:
Im Traumkindergarten gibt es für zehn bis zwölf Kinder genau eine Betreuerin. Die ist wie Frau R., sie schimpft ganz wenig und hat eine leise Stimme.

Essen:
Dann arbeitet da noch eine Frau an der Essensausgabe, die jeden Tag für die Kinder entweder Spaghetti mit Tomatensoße oder Fischstäbchen mit Kartoffelpüree zubereitet. Nachmittags gibt es Kekse und generell dürfen die Kinder Süßigkeiten zur Brotzeit essen.

Spielzeug:
Der Kindergarten ist auf drei Ebenen angelegt. Eine zum Essen und Quatsch machen und zwei zum Spielen. Es gibt eine Ecke mit Bausteinen (am besten Lego), eine Ecke mit Büchern, wo die Kinder jederzeit von der Erzieherin eine Geschichte vorgelesen bekommen.
Zusätzlich gibt es eine Trampolin-Ecke, in der man richtig hoch hüpfen kann.
Auf der Ebene darunter befindet sich die Mal- und Bastelecke. Mit allen Materialien, die man sich nur vorstellen kann. Alles frei zugänglich für die Kinder.
„Auch Glitzerzeug und bunte Federn, dazu eine Säge und ein paar Holzbretter, wenn jemand etwas bauen will. Ein Eichhörnchenhotel zum Beispiel, das geht doch gar nicht aus Papier“, erklärt die Fünfjährige. Außerdem gibt es eine Kuschel-Ecke mit Kissen und Decken. Falls jemand müde ist. Und eine ruhige Ecke mit Puzzle- und Brettspielen.

Aufpassen:
Meine Frage, ob eine Erzieherin auf so viele Kinder in so vielen verschiedenen Stockwerken aufpassen kann, wurde kategorisch abgeschmettert.
„Wenn alle Kinder glücklich sind, macht auch niemand Quatsch, Mama. Dann muss keiner aufpassen“.
So einfach ist die Kinderlogik. Bei Ausflügen könnte übrigens mit der wunderbaren Frau S. aufgestockt werden, die gibt sich immer sehr viel Mühe mit der Betreuung der Vorschulkinder und es wird viel unternommen.

Tröstedienst:
Wenn ein Kind sich weh tut und die Betreuerin gerade woanders beschäftigt ist, springt der Tröstedienst ein. Jeden Tag tragen zwei verschiedene Kinder eine Trösteruniform. Das sind “weiße Kittel und ein kleines Blaulicht auf dem Kopf“. Die Tröstekinder sind im Notfall zuständig und haben den Schlüssel zum Kühlschrank mit den Kältepads und den Pflastern.

Meine Frage, ob sie denn in diesen Kindergarten immer gerne gehen würde, beantwortete das Kind eher zögerlich. „Das hängt davon ab, welche Kinder krank oder im Urlaub sind und ob ich grade Streit mit einem meiner Freunde habe.“

Es ist wohl doch nicht so einfach, mit dem Kindergarten der Träume.