Kay Beinroth, geboren in 70igern, träumte als Jugendlicher davon einmal so ein cooler Video-Spiele-Journalist zu werden, wie die berühmten Gesichter aus der PC Games, Gamestar oder PC Player. Deswegen schmiss er sein Informatik-Studium, heuerte bei einem Videospiel-Fachverlag an und ging einmal den Weg vom Volontär zum Chefredakteur. Danach wechselte er die Schreibtischseite und arbeitet bei einem Spiele-Hersteller als Product Director. Heute ist er bei einem großen deutschen Spielzeughersteller für digitale Produktentwicklungen zuständig. Unserem kleinen Interview stellt er sich privat, als Papa und Spielzeug-Fan.

Fünf Fragen zu den Lieblingsspielen Deiner Kindheit

1.Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

An „alleine zuhause spielen“ kann ich mich fast nicht erinnern, da es diesen Zustand für mich fast nie gab. Ich bin in der DDR groß geworden und da war der Normalzustand am Nachmittag: Raus aus der Wohnung, mit Freunden das Dorf und die umliegenden Wälder unsicher machen oder aber zu einer Arbeitsgemeinschaft – so wurden die Vereine wie Sport, Feuerwehr, Musik für die Kinder genannt. Wenn ich wirklich mal alleine war und sowas wie Langeweile aufkam, habe ich mich wäschekorbweise durch Bücher gelesen. Einzig an meine Sammlung von Indianern und Cowboys aus Gummi und dem dazugehörigen Fort kann ich mich noch gut erinnern. Damit wurden die großartigen Winnetou-Filme nachgespielt und ganze Armeen von Bleichgesichtern wurden mit Schnipse-Gummis (am besten die dicken von den Einmachgläsern) niedergemäht. Mit 14 zur Jugendweihe (vergleichbar mit der heutigen Konfirmation) hatte ich dann das große Glück einen Heimcomputer Robotron KC87 zu bekommen – für Privatpersonen damals in der DDR ein fast unmögliches Unterfangen. Die anderen Jungs bretterten auf Schwalbe und Simson S51 Enduro durchs Dorf oder hörten auf ihren neuen RFT-Stereo-Kassettenrecordern laute Musik (das waren die damaligen Top-Geschenke zur Jugendweihe) – ich saß ab da an jede freie Minute zu Hause und programmierte die ersten eigenen Computerspiele.

2.Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Am liebsten erinnere ich mich an die Sommer. Mein Dorf hatte in 2 Kilometer Entfernung das sogenannte „Waldseebad“ – ein wunderschöner Waldsee mit Naturwasser als geschlossenes Schwimmbad. Alle Kinder in der Umgebung hatten dafür eine Jahreskarte. Jeden Morgen in den Ferien und sonst an den Wochenenden ging es dahin – selbst Regen und mäßige Temperaturen konnten uns nicht abhalten. Und vor Ort gab es dann ein simples Spiel für den ganzen Tag: Abwerfen mit einem Ball. Quer über Liegewiese, Sprungturm, Badesee wurde gespielt – je mehr mitmachten, um so mehr Spaß hatten wir.

Winter im Harz- beneidenswert!

Und im Winter: Mein Heimatdorf liegt hoch im Harz und somit hatten wir immer Schnee. Wir waren den ganzen Winter auf den Rodelbergen und Ski-Hügeln unterwegs. Wir haben uns dann Schanzen gebaut und Jens Weißflog (ehemaliger Top-DDR-Skispringer) gespielt – mit Kissen in der Hose, da wir bei der Landung „technische Defizite“ hatten. Manche Jahre hatten wir soviel Schnee und so tiefe Temperaturen, dass wir sogar Iglus bauen konnten.  

Kay Beinroth
Kays erster Schultag!

3. Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Deiner Kindheit?

An meiner Grundschule gab es einen kleinen Spiel- und Bolzplatz, da haben wir ab und zu gekickt – naja, die meiste Zeit wurde darüber gestritten wer Rummenigge oder Breitner sein durfte. Und auf diesem Spielplatz lag auch ein riesiger, alter Baum. Das Teil war Klettergerüst, Piraten-Schiff, Raumschiff-Enterprise (ja, wir hatten West-Fernsehen), Ritterburg und Cowboy-Fort in einem. Auf dem Ding konnten wir Stunden zu bringen, ohne das uns langweilig wurde. Und immer, wenn ich in München mal wieder so einen neuen, tollen, futuristischen Spielplatz sehe, wo weder Kinder noch Eltern hinter den Sinn der Geräte kommen, denke ich mir „Warum liegt hier nicht einfach so ein alter, riesiger Kletterbaum?“

4. Was war Deine geheime Fantasie als Kind? Wolltest vielleicht ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job?

Auch wenn es etwas klischeehaft klingt: Die meiste Magie hatte damals alles aus dem „Westen“. Wir wohnten recht nah an der Innerdeutschen Grenze, hatten also Westfernsehen und auch West-Verwandtschaft. Und ein West-Paket war damals das allergrößte: Ein Überraschungsei, ein Matchbox-Auto, eine Bravo oder wenn Weihnachten war auch mal ein absolutes Highlight wie ein Brett-Spiel – alles war besonders, vor allem diese super coolen „MB präsentiert…“-Werbespots im Westfernsehen waren der Oberhammer. Von Zeit zu Zeit hatte meine Mutter auch mal ein paar D-Mark – dann ging es in die Kreisstadt zum Intershop – das war ein Laden im Osten, in dem man mit D-Mark Westprodukte kaufen konnte – für DDR-Mark gab es dort nix. Dieser kleine, bis unters Dach vollgepackte Laden war das Paradies für jedes Kind: Es roch darin nach einem Mix aus Waschmittel, Parfüm, Campino-Frucht-Bombons und Schokolade – diesen Geruch werde ich nie vergessen. Und das absolute Highlight: Als Wechselgeld gab es Forumchecks, die den gleichen Wert wie die D-Mark hatten. Deren kleinste Einheit war glaub ich 50 Pfennig. Das restliche „Pfennig-Wechselgeld“ zahlte der Laden in Lutschern aus – 10 Pfennig machten einen Frucht-Schlecki von diesen 10er Abreiß-Ketten, die es heute noch gibt (und die ich deswegen auch ab und zu noch kaufe).

Intershop- DER Duft der Kindheit

Und wenn es nicht für Intershop oder Westpaket reichte, dann bastelten wir uns die Dinge selbst. Ein Original-Monopoly war damals der heilige Gral der Brettspiele – das Spiel war aber „der Brettspiel gewordene Kapitalismus“ und somit tabu im Osten und es hatte auch keine Chance durch die Westpaket-Kontrollen zu kommen. Also haben mein Bruder und ich uns selbst eins gebaut – mit Brett, Figuren, Häusern – alles handgemacht und perfekt kopiert von einem Original aus dem Bekanntenkreis. Diese kopierten Spiele in der DDR waren teilweise echte Meisterwerke und schöner als die Originale.  

Kay Beinroth

Und heute gibt es Ostpakete zu kaufen! 🙂

5. Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne? Es können auch eher erwachsene Spiele wie Pokern sein – Hauptsache Du magst es. Gibt es Spielzeuge, die Du aus Liebe und Nostalgie bis heute aufgehoben hast?

Ich bin ein absoluter Alles-Spieler – zum einen aus beruflichen Gründen, da ich bei einem großen Spielzeughersteller arbeite. Und auch aus privatem Interesse – früher habe ich als Test-Journalist für Computer-Spiele, Hardware und Gadgets gearbeitet und daher habe ich einen Heidenspaß daran, mir alles Neue anzuschauen und auszuprobieren. Vom Brettspiel bis zum modernen Computer-Spiel – ich spiele praktisch alles, was ich in die Finger bekomme.

Früher hatte ich auch riesige Sammlungen mit Gadgets, Fanartikeln und Spielen – mittlerweile reichen mir die Erinnerungen und ich habe alle Sammlungen aufgelöst, genau noch ein Umzugskarton ist geblieben. Aus der Kindheit selbst habe ich nicht ein einziges Stück mehr – die Wende hat eben auch eine gewisse „Entwurzelung“ mit der DDR-Kindheit mit sich gebracht – aber das ist ok. Wenn mich wirklich mal die Nostalgie packt, surfe ich durch die DDR-Ebay-Spielzeug-Kategorie. Dort findet man seine gesamte Kindheit wieder.

Du hast ja Kinder, Kay- wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu ein paar Fragen stellen:

Verrätst Du uns die Namen und das Alter?

Moritz ist 10 Jahre alt, seine Schwester Nina ist gerade 6 geworden – und sie sind Geschwister, wie sie im Buche stehen – Drama, Liebe, Futterneid – alles am Start, einfach toll.

Was sind die Lieblingsspielzeuge?

Der Große hat mittlerweile die Video-Spiele entdeckt und könnte seinen Nintendo 3DS immer dabeihaben. Getoppt wird das nur von der riesigen Lego-Sammlung – kistenweise Bausteine werden immer und immer wieder zu neuen Kreationen kombiniert. Leider hat er auch keine Schmerzen damit Papas Star-Wars-Sammlerstücke zu zerlegen, wenn er unbedingt das eine Sonderteil aus der Mitte meines Todessterns braucht – aber ich komme damit klar, die Therapiesitzungen helfen – ein bisschen J

Das Lieblingsspielzeug von Nina ist mit riesigem Abstand und ohne Konkurrenz: Ihr Bruder. Wir brauchen ihr praktisch kein eigenes Spielzeug kaufen, da sie ohnehin lieber mit dem Bruder und seinem Spielzeug spielt.

Welches Spielzeug Deiner Kinder haßt Du, und warum?

Wenn man aus beruflichen Gründen so viel über Spielzeug und auch Videospiele weiß, dann haben es die Kinder nicht leicht mit ihrem Papa. Egal, ob angesagter Sammelnippes, trendige Video-Spiele oder Must-have-Spielzeug – ich schaue mir alles vorher genau an, was die Kinder bekommen oder haben wollen – auch die Herstellungsqualität, die versteckten Mechaniken, das Preis-Leistungsverhältnis. Und das führt auch mal zu Frust, weil ich z.B. billiges, schlechtgemachtes Spielzeug grundsätzlich nicht kaufe. Es kann aber auch Lizenz-Produkte treffen, wo ich Preise für unangemessen halte oder eben Mechaniken wie Sammelkarten, wo ich aus beruflicher Erfahrung weiß, wie die Kinder darauf reagieren. Auf der anderen Seite: Alles was ich kaufe, finde ich meistens so gut, dass ich immer mitspielen will. Meine Frau ist da lockerer: Sie kauft auch gern mal so ein Kinderheft in der Zeitschriftenabteilung mit diesem grottigen Billig-Spielzeug drauf – die Kinder freut das wie die Schneekönige, auch wenn es keine zwei Tage hält.

Mein Deal mit den Kids, die Hälfte wird gespart!

Und ich habe einen Super-Deal mit den Kids: Ist eine Taschengeld-Spardose voll, geht die Hälfte aufs Sparkonto, mit der anderen Hälfte können sie im Spielzeugladen kaufen, was immer sie wollen – und wenn es der größte Käse in meinen Augen ist, ich halte mich da raus.

Du hast ja viele Jahre in der Videospieleindustrie gearbeitet.
Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder?
Wann sind sie soweit? Soll man unverkrampft ran gehen, oder ganz streng die Bildschirmzeit limitieren?

Da kann ich allen Eltern einen ganz einfachen Tipp geben: Spielt selbst. Auch wenn es Euch noch so absurd vorkommt selber mal ne Runde Fortnite, Minecraft oder Fifa zu spielen, ich garantiere allen hier mitlesenden: Ihr werdet danach einen anderen Blick darauf haben. Und zwei Youtube-Videos schauen, ersetzt das nicht, sondern verschlimmert die Fehlbetrachtung nur. Setzt Euch aufs Sofa, schaut beim Spielen zu, lasst es Euch ruhig von den Kids erklären und dann spielt selber mal eine Woche lang ein paar Runden. Und schaut auch, wie geht es Euch und den Kindern danach – sind sie gefrustet, überdreht, happy?

USK Label sagen nicht, wie Eure Kinder mit einem Spiel klarkommen

Und dann trefft Eure eigenen Entscheidungen. USK-Alterslabel sagen nichts darüber, wie Kinder mit den Spielen klarkommen, sondern nur wie Erwachsende versuchen Spiele in veraltete Bewertungskorsetts zu quetschen. Und seid mutig: Revidiert auch mal ne Entscheidung. Mein Sohn z.B. darf auch mal Fortnite spielen, als sie zeitweise Zombies ins Spiel gebracht haben, durfte er es nicht mehr. Jetzt gibt es eine Spielwiese, wo er mit seinen Kumpels harmlos bauen und spielen kann – ohne Druck – jetzt darf er wieder mal spielen. Bleibt an den Themen dran, geht die Entwicklung mit. So wie es gute und schlechte Bücher, Comics, Filme gibt, gibt es eben auch gute und schlechte Spiele.  

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Ich empfehle vor allem immer „Sofa-Coop“-Spiele. Das sind Spiele wo nicht jeder vor seiner Konsole im stillen Kämmerlein sitzt, sondern mehrere Spieler zusammen vor einem Spiel/Fernseher/Konsole – eben auf dem Sofa. Mario Kart oder Just Dance oder auch das geniale Rayman Legends haben solche Spielmodi. Im Prinzip verbindet man damit ein bisschen die „Brettspiel-Lagerfeuer-Spieleabend-Romantik“ mit coolen Videospielen – und wenn Papa sich zu Lady Gaga bei Just Dance zum Affen macht, will auch kein 10jähriger mehr Fortnite spielen.

Kay Beinroth

Zum Kaufen aufs Bild klicken

Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Das bedeutet, wir erhalten eine kleine Provision, wenn ihr dort kauft. Selbstverständlich ohne Mehrkosten für Euch.
Letzte Aktualisierung der Produkte am: 17.06.2019 / Produktbilder von der Amazon Product Advertising API