“Ich will das aber haaaaben…” Ein paar Gedanken zum Thema Quengeln, Quengelware, dringende Wünsche und edgy Brotzeitboxen.

Mutti hatte da ein paar Ideen, wie sie mit dem heiklen Thema umgeht.

Was ist Quengelware?

Als Quengelware bezeichnet man Artikel, die in Supermärkten im Kassenbereich positioniert sind und dadurch vor allem aufgrund des Quengelns von Kindern während des Anstehens gekauft werden. Aber auch in der Schlange stehende Erwachsene können durchaus zu einem Kauf bewegt werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Quengelware

 

Kaum geschlüpft, schon am Quengeln

Quengelblagen sind die süßen kleinen Wesen, die einst aus unseren Bäuchen schlüpften und in den ersten zwei Jahren ihres Lebens alles Mögliche lernen und üben. Unter anderem das Quengeln.

Aber gottseidank: Beim Thema Quengelware sind wir aus dem Gröbsten raus. Die Zeit, als meine geliebten Gene auf dem Fußboden im Supermarkt lagen und versuchten mit lautem Geschrei mein Herz zu erweichen, sind lange vorbei.

 

So stoppt man das Quengeln

Die Quengellehre ist eines der wenigen Themen, bei dem ich mit meiner Erziehung die anscheinend richtige Mischung aus Konsequenz, Regeln und Flexibilität gefunden und durchgehalten habe.

Nämlich: NULL Flexibilität. Und EINE einzige Regel.

Die lautet: Es gibt ein Ding für Dich heute, Kind. Ein einziges, kleines Ding. Und wenn Du Dich während des Einkaufes dreimal umentscheiden solltest, ist das nervig, aber okay. Wenn Du auf die Idee kommen solltest, Deine Wahl nach dem Einkauf zu bereuen und deshalb zu quengeln anfängst, erntest Du von mir ein unerbittliches: „Du hast Dir das ausgesucht. Dann nimmst Du halt beim nächsten Mal das andere.“

Seitdem entsteht bei der klassischen Quengelware im Kassenbereich bei uns eben kein Gequengel mehr.

Alle Gefechte sind ausgetragen.

Was daran neben meinen unfassbar großen Erzieher-Qualitäten interessant ist?

Das:

Ich kauf Dir was, dann musst Du es nicht erquengeln.

Ich kaufe mir auch gern schöne Dinge

Ich erfülle meinem Kind relativ viele kleine Wünsche. Wenn wir etwas unternehmen, dann bekommt sie etwas Kleines. Eine Zeitschrift, ein kleines Spiel, ein Andenken, eine Mini-Süßigkeit. Ich weiß, das ist wahrscheinlich zuviel und sie wird es deshalb wohl nie zu einem Bausparvertrag bringen. Aber es macht mir Spaß. Ich kaufe mir auch gern schöne Dinge.

Wahrscheinlich reduziert das den Quengelfaktor auch ein bisschen: wenn man nicht betteln muss.

Gleichzeitig entstehen durch die kleinen Geschenke beim nächsten Einkauf Erwartungen, die gemanagt werden müssen.

 

Wird Sie mit 32 noch Quengeln?

Wir führen immer wieder Diskussionen darüber, was eine kleine Sache ist.

Meine Tochter schlussfolgert: Eine Legobox für 69 Euro und eine Familientrommel voller Gummibärchen seien ja viel kleiner als zum Beispiel ein LKW. Von daher…

Wir reden dann darüber, dass man viel arbeiten muss, um eine Legobox zu kaufen. Das ist mir wichtig. Damit sie nicht mit 32 Jahren noch sagt “Kauf mir das!“. Damit sie wie ich eine Frau wird, die ihr Geld selbst verdient hat und mit Freude sagen kann: „Ich kauf mir was!“

Aber natürlich hat so eine kleine Dame noch überhaupt keine Beziehung zu “teuer” und “viel zu teuer”.  Letztens kam sie vom Bäcker und beharrte darauf, sie hätte für eine Mohnschnecke 18 Euro zu wenig dabeigehabt. Ah ja, nein, noch nicht mal hier in München…

 

Ungeahnte Quengelanlässe und edgy Brotzeitboxen

Jenseits von klassischer Quengelware, Lego und Süßigkeiten, gibt es bei uns aber noch einen Quengelfaktor, der wirklich nicht sein müsste. Im Kindergarten meiner Tochter wird offensichtlich jeden Morgen „Germanys Next Top Brotzeit“ gewählt. Eine Jury aus Vier- bis Sechsjährigen entscheidet auf mysteriöse Weise darüber, welche Lebensmittel in der Brotzeitbox gerade besonders edgy sind.

„Mama, man MUSS ein Fläschchen Actimel dabeihaben, einen Joghurt mit Schokoflocken, ein Milchbrötchen und etwas Süßes.“

Tja. Das gibt es bei uns alles nicht in der Brotzeit. Ich verstehe vor allem diesen Actimel-Hype nicht. Woran liegt das? An den winzigen Fläschchen? An den tollen Comicfiguren auf dem Kinder-Actimel? Egal, es ist und bleibt ein total überzuckertes und sinnloses Produkt. Aber das Actimel-aktivierte Gequengel am Kühlregal kann schon mal zehn Minuten dauern. Ich versuche ruhig zu bleiben, denn sie kann ja nichts für die Werbung, die überall durch die Köpfe der Kinder gepustet wird. Anders ist der Hype nämlich nicht zu erklären.

Wenn mich das Gemaule dann doch überfordert, reagiere ich übrigens immer gleich idiotisch. Ich werde wütend und sage: „Schluss mit der Diskussion!“ Diesen Satz habe ich von klein auf gehört. Vermutlich zu oft.

Aber da hilft kein Quengeln, ich bin jetzt dran. Ich sollte mir diesen Satz abgewöhnen.