Nina-Katrin Fobo-Rapp

Ein Interview über Kindheit, Spielzeug und Videospiele

Heute im Interview: Nina-Katrin Fobo-Rapp, die seit vielen Jahren in der Videospiele- Industrie arbeitet. Derzeit ist sie “Head of Business Development” bei Travian Games in München. Sie hat eine sehr klare Meinung zu elektronischem Spielzeug, die ihr sicher interessant findet.

Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

Ich hatte das Glück, dass ich selten alleine zu Hause war, da ich eine große Schwester an meiner Seite hatte. Vor allem aber meine Mama. Mein Kinderzimmer hingegen glich einer rosaroten Festungsburg mit allem was das Barbie-Herz begehrt. So gab es auch einen festen Ablauf des Barbie-Alltags. Erst wurden alle Puppen frisch frisiert, dann neu angezogen (inklusive der High Heels) und entsprechend der Kleidung habe ich mir dann überlegt, was heute in der Barbiewelt so passieren könnte. Da gab es mindestens 1x die Woche eine Traumhochzeit in Weiß.

Diesen wundervollen Hut hatte Barbie sicher auch!

Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Ich war hauptsächlich mit Jungs befreundet (der Widerspruch zu meiner Prinzessinnenbarbiewelt). Da ging es natürlich meistens ziemlich rund auf dem Spielplatz. Wir hatten dort einen Hügel mit einer Hängebrücke, die zu einem kleinen Turm führte. Diese filmreife Location haben wir so ziemlich für jede Dramaturgie genutzt – von Cowboy und Indianer bis hin zu Cinderella oder Rapunzel war alles mit dabei.

Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Deiner Kindheit?

In dem Ort, an dem ich aufgewaschen bin, gibt es einen großen Spielplatz, wie gerade erwähnt. Dort gab es alles – Schaukeln, Holzpferde, Wippen, Rutschen, ein großes Karussell, Sandkästen, 2 Holzhäuser… einfach gigantisch.

Meine Patensöhne sind an diesem Ort auch zum Teil groß geworden und es war wundervoll zu sehen, dass sich auch 20 Jahre später die Geschichten, die Spiele und alles drum herum wiederholt hat. So ganz ohne omnipräsente Smartphones und Tablets.

Auch wenn ich heute noch dort bin (wieder 5 Jahre später) habe ich das Gefühl, dass die Welt doch noch Werte hat und die Kinder mehr können, als nur Pokémons zu jagen.

Was war Deine geheime Fantasie als Kind? Wolltest vielleicht ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job?

Ganz klar: Prinzessin, Traumprinz auf Pferd und Schloß. Sissi war gefühlt meine ganze Kindheit mein großes Idol und ich wollte unbedingt so werden wie sie – sagen wir zumindest wie Romy Schneider in der Figur der Sissi.

Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne? Gibt es Spielzeuge, die Du aus Liebe und Nostalgie bis heute aufgehoben hast?

Als Erwachsener muss ich ehrlich zugeben, dass ich kaum etwas spiele – was vermutlich auch daran liegt, dass ich seit mehr als 10 Jahren für die Spieleindustrie arbeite und tagtäglich mit der Materie in Berührung komme. Unsere Playstation hat eine 5 cm dicke Staubschicht, die Gesellschaftsspiele sind im Regal ganz weit hinten.

Aber mit meiner Mama spiele ich ab und an Patience (ein Kartenspiel). Dort gilt sie als unbesiegbar – was ich 35 Jahre leidig erfahren durfte. Mein jüngster Patensohn (8) strebt die gleiche Kartenkarriere an wie sie und daher geht’s immer spannend zu, wenn es ein Duell gibt.

Zur Nostalgie: In der Tat habe ich so einiges aufbewahrt. Um genau zu sein, ein ganzes Regal im Keller meiner Eltern. Zu finden, wen wundert’s, die gesamte Barbie-Ausstattung, die ich hatte (Schloß, Auto, Pferd, Wohnmobil… ein Umzugskarton voll mit Barbies und einer mit passenden Kleidern…). Aber meine Mama hat auch noch andere wundervolle Spielsachen aufbehalten, in deren Genuss all meine Nichten und Neffen kommen, wenn sie zu Besuch sind.

Nina-Katrin Fobo-Rapp

Nina auf dem Weg zur Arbeit 😉

Du hast noch keine Kinder, Nina – aber Du bist Tante, richtig? Wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu ein paar Fragen stellen:

Verrätst Du uns die Namen und das Alter der Kinder?

Ich bin in der Tat gleich 7-fache Tante. Meine Nichten und Neffen sind im Alter von 7-24, das Spektrum ist daher sehr groß. Drei davon sind meine Patenkinder. Meine Patentochter spielt mittlerweile mit Paragraphen und Zahlen und das beruflich. Meine beiden Patensöhne, nennen wir sie „Striezi“ (11) und der kleine Bruder „Schlingel“ (8), erobern gerade die Welt.

Was sind die Lieblingsspielzeuge?

Da habe gerade ein sehr schönes Beispiel bei „Striezi“. Gerade total „in“ und „ich muss das spielen, haben, weil es spielt jeder“ sind Spiele wie „Fortnite“.

Zu Recht verbieten meine Schwester und mein Schwager den Zugang zu dem Spiel.

1. Ist er noch keine 12

2. Ist meiner Meinung nach die USK für dieses Spiel eindeutig auch mit 12 noch zu niedrig angesetzt

Aber natürlich ist es für einen Burschen mit knapp 12 extrem hart, dass er das nicht spielen darf, weil es ja alle seine Freunde spielen dürfen. Darüber bin ich entsetzt. Und zwar nicht über das Verhalten meiner Schwester oder meines Patensohnes, sondern darüber, dass die Kinder aus seiner Klasse (6. Klasse, Gymnasium) den ganzen Tag zuhause solche Spiele spielen dürfen – ohne Aufsicht und Kontrolle. Stundenlang!

Ich frage mich wirklich: Haben sich diese Eltern nur mal 3 Minuten hingesetzt und sich angesehen, was ihre Kinder da spielen? Geben diese Eltern ihren Kindern den nötigen Schutz? Oder gewinnt hier die Mentalitätsformel der Generation „Golf“: „Hauptsache das Kind ist ruhig und ich hab meinen Frieden und Freiraum“!?

Ich höre jetzt schon die Worte: „Sie hat leicht reden, ist ja keine Mutter und hat keine eigenen Kinder“. Jo, stimmt! ABER ich habe ein Gewissen und ich kenne mich in der Materie so gut aus, dass ich weiß, was ein Kind spielen sollte und was nicht, beschäftige mich mit dem Thema und weiß wie man einen Browser sperrt.

Es gibt eine Erde voll mit Abenteuern zu entdecken und nein ich verteufle auch nicht die digitale Welt, ich verdiene meinen Unterhalt damit. Aber ich bin für die konsequente Aufsicht. Ich lasse mein 3jähriges Kind auch nicht auf einen 10 Meterturm im Schwimmbad klettern und runter springen. Genauso sollten die Eltern der heutigen Generation mit der digitalen Spieleindustrie umgehen. Es geht um Verantwortung.

Ich bin wirklich stolz auf meine Schwester und meinen Schwager und ihre Konsequenz.

 Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Spielzeug für uns?

Ich denke die lustigste Anekdote ist, seine eigenen Eltern zu erleben, wie sie als Großeltern plötzlich sind:

Bei mir was das Sofa heilig (kein springen, kein rutschen, kein turnen). Meine Patensöhne wurden 20 Jahre von genau diesen Eltern dabei angefeuert, wie die beiden Sofas als „galoppierende Pferde“ benutzt wurden oder man diese dem Tauglichkeitstest als Trampolin ausgesetzt hat. Hätte ich das gewagt… Gnade Nina…

Oder auch schön, wie man selbst versuchte, über Jahre hinweg einen Kicker zu bekommen. Antwort: „Nein, sowas kommt nicht ins Haus, das brauchen wir nicht“. Kaum war einer der Enkel 8 Jahre alt, saß ich mit meinen Eltern den gesamten 25.12. im Keller und habe das Monster aufgebaut.

Ich freue mich sehr darüber, dass meine Eltern so jung Großeltern geworden sind und ich daher seit vielen Jahren die Chance bekomme, sie als Eltern und gleichzeitig als sehr jung gebliebene Großeltern erleben zu können.

Nina Rapp

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Du arbeitest ja viele Jahre in der Videospieleindustrie. Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder? Soll man unverkrampft ran gehen oder ganz streng die Bildschirmzeit limitieren?

Ich denke, ich habe dazu schon eine erste Antwort geben können. Das A & O ist die Aufmerksamkeit und Verantwortung der Eltern. Daher appelliere ich wirklich an jeden: Seht Euch die Spiele an, die Eure Kinder spielen. Ich bin gegen die absolute Kontrolle bei Kindern – aber für die absolute Kontrolle des Internets und der Bildschirmzeiten (TV, Smartphone, Rechner, Tablet etc.)

Sprecht mit Euren Kindern offen darüber, warum Ihr denkt, dass gewisse Spiele/Serien etc. nicht gespielt bzw. angesehen werden dürfen. Erklärt es ihnen und vor allem lebt Euren Kindern vor, dass es noch mehr gibt außer TV, Smartphone und Tablet.

Mein Mann ist Gastronom und es kommt nicht selten vor, dass er mir erzählt, dass eine Familie zum Essen kommt, sie sich an den Tisch setzen und nach 5 Minuten alle ein Handy in der Hand haben. 3 Stunden später haben sie immer noch kein einziges Wort miteinander gesprochen. Das ist kein Einzelfall, sondern Realität.

Ich bin mit absoluten Grenzen aufgewachsen (im Gegensatz zu jedem anderen in meiner Generation hatte ich keinen Gameboy und erst ein Handy mit 16). Ich bin trotzdem groß geworden und arbeite trotzdem in einem komplett digitalen Umfeld.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Ich denke alles was Kinder weiter bringt, schult, lehrt und trotzdem Spaß macht, hat eine absolute Daseinsberechtigung. Ich bin absolut gegen Gewalt in Spielen. Offline und Online, übrigens.

“Mein Name ist Nina-Katrin, ich bin verheiratet, 35 Jahre alt, lebe in München und arbeitet seit mehr als 10 Jahren in der Spieleindustrie. Als 7-fache Tante beschäftige ich mich seit 24 Jahren nicht nur beruflich mit dem Thema „Spiele“, sondern auch privat.

Als deutlicher Verfechter vom realen Offline-Leben stehe ich manchmal im Widerspruch zu meiner tagtäglichen Arbeit im Online-Spielebereich (die ich wirklich sehr liebe). Meine Überzeugung: Die Ausgeglichenheit macht’s. Digitalisierung muss weiter stattfinden, vertieft und gefördert werden. Aber die Kuh auf dem Feld ist nicht lila. Und genau da müssen wir ansetzen in unserer Gesellschaft.”

Hier findet ihr Informationen über Ninas Werdegang auf xing.

Danke für das Interview und für Deine klare Meinung Nina!

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