Doro Dahinden (37) schreibt auf mutterkutter.de über ihr Familienleben

Es gibt Blogs, die sind hübsch, aber auch ein bisschen seicht. Da sieht man bunte Bilder, Wimpelketten und Designermöbel. Das ist schön, hat aber mit der Zickzackkreuzundquer-Realität einer Mutter im echten Leben so viel zu tun wie Heidi Klum mit Angela Merkel. Beides Frauen. Das war’s.

Dann gibt es da aber noch Blogs, die sich echt anfühlen. Mit Bloggerinnen, die wir als “No-Bullshit-Mamas” bezeichnen. So wie Doro vom Mutterkutter.
Doro Dahinden lebt im hohen Norden, ist 37 und Mama von zwei Töchtern (zwei Jahre und sieben Monate) und gehört klar in die zweite Kategorie. Heißt nicht, dass ihr Blog nicht hübsch wäre. Aber er setzt eben nicht in erster Linie auf Optik und Ohlala, sondern auf Herz, Hirn und Butter-bei-die-Fische (apropos: Wo bleibt eigentlich der Mamablog mutter-bei-die-fische.de?).
Und weil wir uns über Blogs wie den Mutterkutter ziemlich freuen, haben wir Doro ein paar persönliche Fragen gestellt. Auch, weil sie gerade die spannende Challenge #nomeckermutti ins Leben gerufen hat. (Denke noch drüber nach, ob ich das schaffen kann…).

Die “nomeckerchallenge” klingt spannend. Wie kamst Du darauf und wen soll sie ansprechen?

Lustigerweise habe ich die Challenge einfach aus dem Bauch heraus gepostet. Weil ich dachte: Komm, ich erhöhe für mich den Durchhalte-Druck, wenn ich das öffentlich mache und darüber erzähle, dass ich 40 Tage lang nicht meckern will. Und das Feedback ist toll. So viele Mamas wollen mitmachen. Mamas, bei denen die Zündschnur, wie sie finden, auch öfter mal zu kurz ist, die dann explodieren und im Nachgang denken: Scheiße, das wollte ich doch nicht. Worte, die für mich der Start waren. Ich war genervt von mir, weil ich eigentlich super viel mit meiner Tochter lache. Nur war ich so dermaßen müde in letzter Zeit, und genau darauf traf die Autonomiephase meiner Tochter. Die traf auf meine Unzufriedenheit und: peng. Das muss doch nicht sein.

Als “No-Bullshit-Mama” erzählst Du uns bestimmt Deine schlimmste Mama-Geschichte?

Hrrrmpf. Die Sache nach der Geburt. Dieses Auslaufen aus allen Poren, wenn ich das so direkt sagen darf. Das war krass für mich. Die Milch war das eine, das Blut das andere. Ich bin froh, dass mich eine sehr gute Freundin, die damals ein paar Monate vor mir entbunden hatte, vorgewarnt hat. Davor hatte ich das Wort „Wochenfluss” noch nie gehört. War vielleicht auch ganz gut so. Hart war auch das erste Aufstehen nach dem Kaiserschnitt.. Beim 1. Mal musste mich aufgrund meines niedrigen Kreislaufs sogar eine Hebammenschülerin abduschen. Ich habe mich tausend Mal für die Sauerei entschuldigt. Das war mir mega peinlich. Mein Mann kommentierte das Abenteuer im Badezimmer danach nur trocken mit: „War wie bei ‚The Walking Dead‘, hm?!

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, ob die Entscheidung, Mutter zu werden, überhaupt die richtige war?

Nein. Noch nie. Ich leide an einer Endometriose, wurde operiert. Ich bin davon ausgegangen, nie Mama werden zu dürfen (MutterKutter über Endometriose). Und ich bin es gleich zwei Mal geworden. Für mich ist es das größte Glück auf Erden. Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen ich denke: Kann ich bitte meine alte Freiheit zurück? Aber hey, ich bin mehr gewachsen in den letzten drei Jahren als jemals zu vor. Jetzt habe ich einen anderen Fokus, eine tolle Aufgabe, andere Freiheiten. Deshalb an dieser Stelle: Danke, ihr Süßen!

Warum und wie, glaubst Du ist der Begriff Helikoptereltern  entstanden? Gab es Überbehüter schon immer und es ist nur ein neues Wort? Oder sind Eltern erst seit ein paar Jahren so verrückt um ihre Kinder?

Ich glaube, dass das unsere verrückte Zeit mit sich bringt. Zum einen prasseln tausend zum Teil „schlimme” Nachrichten auf uns ein. Das Wort „Behüten” hat eine neue Bedeutung bekommen, glaube ich. Zudem wollen wir – überspitzt gesagt – alles richtig machen, unsere Kinder bestmöglich fördern, ihnen alles bieten, eine tolle Mama sein und dazu noch Geld verdienen. Mit einem spannenden Job. Vielleicht ist das auch ein bisschen die gesellschaftliche Erwartungshaltung, die manche spüren. Darein spielen für mich auch perfekt inszenierter Instagram-Mama-Welten. Ist doch aber Quatsch. Wir sind tolle Mamas, so wie wir sind. Wir müssen nirgendwo mithalten oder unsere Kinder dauerhaft beschäftigen. Ich bin auch eine davon, die sich ständig hinterfragt und dazu am Liebsten vier Tage die Woche nachmittags unterwegs ist. Meine zweijährige Tochter hat mich schon gefragt: „Und was machen wir heute?“ Hups. „Kinder müssen sich auch mal langweilen“ – ein Satz, den ich mir hinter die Ohren geschrieben habe.

Apropos: Was machst Du, wenn Dein Kind zu oft das „Prinzensyndrom“ an den Tag legt und sich aufführt als wärst Du nur der Bediener?

Das hatte ich so noch nicht. Aber wenn meine ältere Tochter sagen würde: „Ich will, dass du XY machst!“, würde ich versuchen, sie in ihrer Körperhaltung und ihren Worten zu spiegeln.

Wie bist Du streng? Auf welche Art? Wenn wirklich mal Schluss mit Quengeln oder Terror sein soll: Was tust Du dann?

Ich sage ihr, dass für mich eine Grenze erreicht ist. Leider war ich in letzter Zeit mit extremer Zündschnur unterwegs. Das fand ich total bescheuert an mir. Deshalb habe ich mir vorgenommen, 40 Tage nicht zu meckern. #nomeckermutti. Und ich merke: Wenn ich alles ganz ruhig sage, die Botschaft innerlich so meine und eine klare Haltung habe, dann versteht sie viel eher, wann für mich Schluss ist.

Gibt es harte Kritik daran, dass du das Mama-sein als nicht „nur schön“ darstellst?

Ich bin ein von Grund auf ehrlicher Mensch. Das war ich schon als TV-Reporterin und das werde ich auch als Herausgeberin des MutterKutters bleiben. Im Gegenteil: Ich höre öfter, dass es toll ist, dass ich so ehrlich bin. Dadurch öffnen sich mir gegenüber auch andere Mamas und erzählen ihre Geschichte. Das ist so toll!

In heiklen Erziehungsfragen – wie werden Du und dein Mann sich einig? Was tut Ihr, wenn Ihr beide völlig anderer Meinung seid, was in bestimmten Situationen zu passieren hat?

Zum Glück verstehen mein Mann und ich uns – wenn ich das mal so geschwollen sagen darf – blind. Und wenn der eine doch mal eine Entscheidung des anderen doof findet, dann sprechen wir darüber und treffen uns in der Mitte. Ist meistens aber gar nicht nötig, da wir den gleichen Kurs haben.

Was ist der Vorteil daran, eine” No-Bullshit-Mama” zu sein?

Andere Mamas wissen, was sie bei mir bekommen: Kein sich verkaufen, ernst gemeinte Worte und Ratschläge. Eine lockere Zunge und das Herz am rechten Fleck.