Lars Janssen

Heute im Interview: Lars Janssen Geschäftsführer von Travian Games in München

Lars wurde 1980 in Rüsselsheim geboren und wollte schon seit seinem neunten Lebensjahr immer etwas mit Computerspielen machen. Nach technischer Ausbildung und kaufmännischem Studium ist ihm der Einstieg in die Videospiele-Branche 2008 gelungen und seit 2015 leitet er die Geschicke des Münchner Spieleentwicklers Travian Games als Geschäftsführer. Er lebt mit seiner Frau Nicole und seiner Tochter in Ottobrunn im Südosten von München.

Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

Die Antwort ist ziemlich einfach: Dinosaurier (ich kannte sie alle!), Autos (besonders die coolen amerikanischen Muscle Cars) und LEGO. Auch wenn ich von LEGO viele Raumfahrtsets und Piratensets und Ritter und sowas hatte, habe ich definitiv die meiste Zeit mit einer sehr speziellen Form von Kinderzimmerhockey verbracht. Ich baute mir immer Tore aus Lego, der Ball war ein völlig abgenutzter, rot-gelber Tipp-Kick-Ball und mein Schläger ein Tintenkiller. Am Ende konnte ich damit aus jedem Winkel meines Kinderzimmers – sogar über Hindernisse hinweg – ins Tor treffen. Ich glaube, ich weiß schon, was ich heute Abend mache…

Das Bild ist von Lars und seinem Opa, der ihn großgezogen hat und immer sein Held war

Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Am besten fand ich da immer die von Eltern organisierten Stadtrallyes zu Geburtstagen. Highlightfrage: „Wie viele Minuten hat ein Donnerstag in der Wilhelmstraße 25?“

Ich wollte mit meinem Team immer gewinnen und ging meinen Mitspielern glaube ich auch hin und wieder tierisch auf die Nerven damit. Aber in meiner Erinnerung habe ich nie eine Rallye verloren. War bestimmt auch so. Ganz sicher.

Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Deiner Kindheit?

Wir haben uns über Jahre nach der Schule immer wieder bei einem Freund getroffen, dessen Eltern von uns freundlicherweise dazu bereit erklärt wurden, ihr gesamtes Haus zum regelmäßigen Spielplatz für fünf oder mehr Kinder zu machen. Ob LEGO bauen im Kinderzimmer, Strax-Bahnen und Matratzenburgen auf dem Dachboden oder Fußball mit dem Lufthansa-Frachtcontainer als Tor im Garten – wir haben die gesamte Fläche genutzt. Dass das für die Eltern vermutlich ziemlich stressig war, ist mir erst so seit ein paar Jahren bewusst, seitdem ich selbst eine kleine Tochter habe.

Was war Deine geheime Fantasie als Kind? Wolltest vielleicht ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job?

Ganz klar: ich war MacGyver! Über Jahre ging ich nie ohne Isolierband und Schweizer Taschenmesser aus dem Haus und auf Klassenfahrten hatte ich immer einen ganzen „Werkzeugkasten“ alias Rucksack mit mehr oder weniger sinnvollem Zeug dabei. Ich habe mir immer gedacht: wenn es niemand reparieren kann (was auch immer kaputt geht), ich kann es! Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass meine Fähigkeiten jemals angemessen zum Einsatz kamen. Außer meine „Flutlichttaschenlampe“, als ein Klassenkamerad bei der Nachtwanderung unbedingt – und sehr zur Freude seiner Eltern – einen Baumpilz (!) mit nach Hause nehmen wollte und ich ihm den Weg vom Wald bis ins geheime Fach im Koffer erhellt habe.

Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne? Gibt es Spielzeuge, die Du aus Liebe und Nostalgie bis heute aufgehoben hast?

An meiner Liebe zu LEGO hat sich nichts geändert! Wir haben zu Hause alle möglichen Sets und es ist eine super Familienbeschäftigung, das gemeinsam zusammen zu bauen und natürlich auch, sich coole Geschichten dazu auszudenken. Ich musste selbstverständlich ebenfalls nahezu alle verfügbaren Dinos kaufen, um meine Tochter gleich frühzeitig in die Welt der ausgestorbenen Fleisch- und Pflanzenfresser einzuweihen.

Aufgehoben auf meiner Kindheit habe ich eine Menge Dinge, aber zwei wesentliche fallen mir gerade ein: ALF und Mr. Potatohead. Vor ein paar Jahren haben meine Frau und ich alle (!) ALF-Folgen nochmals geschaut. Und es war immer noch cool mit dem 90 cm-großen auf der Erde gestrandeten Bewohner des Planeten Melmac. Und Mr. Potatohead ist einfach so cool, weil es nun mal eben eine Kartoffel mit Gesicht ist.

Du hast ja eine Tochter Lars, wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu drei Fragen stellen:

  1. Verrätst Du uns ihren Namen und das Alter?

Sie heißt Lana und wird im März 4 Jahre alt.

  2. Was ist ihr Lieblingsspielzeug?

Gar nicht so einfach zu sagen, weil sie echt viele Dinge mag. Natürlich, leider oder wie auch immer man sonst es formulieren mag, ist sie im „Elsa und Anna“-Fieber. Gibt wenig aus dem Frozen-Universum, das wir nicht haben.

Aber in den letzten Monaten spielt sie am liebsten „Einkaufen mit den drei Buc-ees“. Da das vermutlich einer Erläuterung bedarf…bitteschön: Buc-ee ist ein Biber und gleichzeitiges Maskottchen einer texanischen (und damit der weltbesten) Raststättenkette, die insbesondere für ihre unwahrscheinlich sauberen Toiletten bekannt ist.


Das sind die Biber mit den sauberen Toiletten!

Wir besitzen drei Plüsch-Buc-ees: eine Handpuppe, ein Plüschtier und eine Plüschnackenrolle. Alle drei sind natürlich Brüder und müssen täglich mit ihren persönlichen Einkaufstauschen Nahrungsmittel und vor allem Spielzeug einkaufen. Das geht selbstverständlich nur bei meiner Tochter und Zitronen kosten pro Stück so um die 25 Euro – den Betrag muss man als freundlicher Biber bei der Warenübergabe allerdings nicht bezahlen, sondern bekommt ihn selbstverständlich dazu.

 Meine bisherigen Versuche, Lana das Prinzip von Geld beizubringen sind also kläglich gescheitert. Erwähnen sollte ich auch noch, dass die drei Brüder „fehr ftark lifpeln“. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich meine Frau danach mit „Hafi, kannft du mal kurtf kommen?“ rief.

Welches Spielzeug Deiner Tochter haßt Du und warum?

Ihren Puppenwagen und Puppenhochstuhl, weil der Kram immer im Weg steht und viel Platz wegnimmt. Generell mag ich großes, gakeliges (ist das ein Wort?) Spielzeug nicht, vor allem dann, wenn man schon erkennt, dass es billigst hergestellt, aber sündhaft teuer verkauft wurde.

Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Spielzeug für uns?

Lana kocht sehr gerne in ihrer Kinderküche. Vor ein paar Wochen bekam ich – selbstverständlich direkt nach dem Mittagessen – eine große Portion Salatsuppe mit Fisch zusammen mit einem Espresso von ihr angetragen.

Als ich daraufhin meinte, ich könne nur ein paar Happen essen, weil ich schon ziemlich satt sei, antwortete sie „Kein Problem“. Sie trug die frisch zubereitete Speise zurück in ihre Küche und ich dachte, das Thema wäre damit erledigt. War es auch. Bis sie ca. eine Woche später vor mir stand und mir „den Rest der Salatsuppe mit Fisch“ anbot, die noch „gaaaanz frisch“ sei.

 Ich glaube, das Thema mit gammeligen Lebensmitteln müssen wir ihr dann zeitnah auch noch mal näher erläutern. Ich habe jedenfalls dankend zurückgehen lassen. Man muss ja auch als Eltern nicht alles essen. Das war weit über die 6-Sekunden-Regel (die bei uns als 30-Sekunden-Regel ausgelegt wird).

Du arbeitest ja schon viele Jahre in der Videospieleindustrie. Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder? Hat sich Deine Meinung dazu verändert, seit Du selbst Vater bist?

Das ist für mich gar kein so einfaches Thema, wie man vielleicht bei jemandem aus der Spielebranche denken würde. Klar möchte ich, dass meine Tochter an elektronische Spiele rangeführt wird und ich probiere auch vieles mit ihr aus. Manchmal klappt das ziemlich gut, manchmal gar nicht.

Ich finde dabei zwei Dinge wichtig: erstens sollten sich Eltern aktiv mit dem beschäftigen, was die Kids an Telefon, Tablet, PC oder Konsole machen.

Zweitens ist jedes Kind anders und ich würde da nie mit einer Pauschalempfehlung rangehen. Das war meine Einstellung bevor wir Lana bekamen und es hat sich auch seitdem nichts geändert.

Unsere Tochter liebt es zum Beispiel, bestimmte Dinge auf dem iPad zu machen, hat aber große Schwierigkeiten damit, wenn wir nach einiger Zeit (das können auch mal 1-2 Stunden sein) dann sagen, dass es jetzt auch mal genug ist.

Wir haben es schon mit unterschiedlichen Methoden versucht, aber im Endeffekt ist es tagesformabhängig. Ein Riesenvorteil ist in jedem Fall, dass sowohl meine Frau als auch ich sehr spielaffin sind und wir das daher völlig unkompliziert mit unserer Tochter angehen können.

Problematisch wird es in meinen Augen immer dann, wenn für die Eltern die Thematik selbst fremd ist und man nicht so richtig weiß, wie man damit umgeht.

Daher finde ich übrigens auch Initiativen wie muttispielt.de super und würde mir wünschen, dass wir auch in der Branche noch mehr dafür tun, Eltern (und übrigens auch Großeltern) die teilweise existierende Angst vor dem Thema zu nehmen.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Ich finde „Mickey Mouse Clubhouse Color & Play“ großartig gemacht, weil die App echt viele Möglichkeiten bietet, sich kreativ auszutoben. Ist schon ein paar Jahre auf dem Markt, aber Lana findet es klasse und ich finde es super gemacht. Ansonsten habe ich kürzlich einige Apps/Spiele runtergeladen, bei denen es um die Themen Zahlen, Alphabet („Endless Alphabet“ ist super), Formen usw. geht. Da gibt es wirklich eine Menge, aber man muss viel ausprobieren, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Vielen Dank für das Interview, Lars. Der Hut auf Deinem Portraitbild gefällt uns ganz besonders gut- wenn er auch nicht so richtig gemütlich wirkt!