Joachim Hesse

Joachim Hesse arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Journalist für Computer- und Videospiele. Im Internet ist er auch unter dem Spitznamen „Onkel Jo“ bekannt. Moderiert hat er unter anderem Sendungen wie „PC Action kocht“ oder „Uffruppe“. Seit er den Chefredakteursposten des Online-Magazins spieletipps verlassen hat, unterstützt er von Berlin aus Youtube-Produzent Gronkh. Folgt ihm auf Twitter unter https://twitter.com/JoachimHesse!

Jo Hesse und Ralph Wollner bei PC Action kocht! Beste!

1.Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

Wir haben häufig Brettspiele gespielt. Dabei querbeet alles von Malefiz über Spiel des Lebens, Verließ von Parker bis hin zu Altlantis von MB. Altlantis war mein Lieblingsspiel. Das besitzt bereits eine elektronische Komponente, denn Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist ein schwarzer Plastikturm in der Mitte des Spielfeldes, der mit beleuchteten Bildern die Konsequenzen der jeweiligen Spielzüge anzeigt. Die Geräusche, die das Gerät dabei macht, kann ich heute immer noch hören, wenn ich die Augen schließe. Aber das interessiert hier vermutlich keinen, da du nach Spielen für „alleine“ fragst. Wie bekomme ich da jetzt die Kurve? Schon als Kind habe ich Abenteuergeschichten geschätzt. Dafür reichte mir auch der Sandkasten im Hof und die nahgelegene Wassertonne. Die Ameisen waren die Protagonisten.

LEGO Raumschiffe und Playmobil Ritterburgen!

Nach den obligatorischen Bauklötzchen und Autos kann ich mich besonders gut an meine Lego-Raumschiffe und meine Playmobil-Ritterburg erinnern. Beides habe ich geliebt. Wobei mir bei Lego immer der Aufbau am meisten Freude bereitet hat und bei Playmobil doch mehr das Spiel im Vordergrund stand. Später kamen dann noch Comics hinzu, zählt das auch? Falk, Spinne, Lustige Taschenbücher. Nun ja, und dann natürlich die Spiele am Bildschirm. Die haben mich am meisten fasziniert. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zum ersten Mal per Drehregler einen weißen Strich über einen Fernseher lenke  und damit einen viereckigen Punkt mit einem Boing-Geräusch zur anderen Bildschirmseite abprallen lassen konnte. Ich steuere das Fernsehprogramm! Der Wahnsinn! Die Faszination für diese Form der Unterhaltung ist mir bis heute geblieben.

2.Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Wir haben natürlich jeden Quatsch angestellt, den Kindern in der freien Natur anstellen können: Fußball, Tischtennis, Hütten im Wald bauen, Abhänge hinunterrutschen, Fahrradtouren. Spaß hat das alles gemacht, es kommt nur drauf an, es mit den passenden Menschen zu unternehmen.

3. Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Treffpunkte Deiner Kindheit?


Eine kleine Anhöhe am Waldrand habe ich in Erinnerung. Dort haben wir auch mal eine provisorisches Versteck aus Zweigen gebaut. Ich mochte daran besonders, dass sie trotz unmittelbarer Nähe ein wenig unzugänglich war, ein bisschen verwuchert und doch sehr schön. Mit Ausblick über die ganze Gegend. Treffpunkte an sich gab es viele. Natürlich bei den Häusern der jeweiligen Freunde, auch eine Bank am Fluß war damals sehr beliebt. Wir nannten sie Rentnerbank, wobei wir nie dort waren, wenn sich da Rentner in Sicht befanden.

4.Was war Deine geheime Fantasie als Kind?

Mit 14 war mir klar, dass ich später mal für ein Spielemagazin schreiben wollte. Gut, dass ich dieses Ziel weiterverfolgt habe, denn das hat dann später auch geklappt.

5.Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne? An welchen Stücken und Erinnerungen aus Ihrer Kindheit hängt Dein Herz besonders?

Viele Spiele aus meiner Kindheit besitze ich noch. Das eingangs erwähnte Atlantis etwa, wobei da leider der Turm inzwischen eine Macke hat und sich manchmal am Ende des Spiels ausschaltet. Ein Jammer. Ansonsten verfüge ich über eine umfangreiche Videospielesammlung, die jeden Kindheitstraum erfüllt.

6. Du hast keine Kinder, Jo aber Du bist Onkel, zumindest beruflich 😊 richtig? Wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu drei Fragen stellen:

  • Bist Du tatsächlich Onkel oder bist Du nur “Onkel Jo”?

    So ganz offiziell bin ich wohl kein Onkel, aber die Kinder von Freunden bezeichnen mich mitunter so. Außerdem bin ich ja natürlich der Internet-Onkel.
  • Solltest Du Onkel sein, würden wir gerne mehr über Lieblingsspielzeuge der Kinder erfahren.

Das wechselt ja immer. Mir im Gedächtnis geblieben ist ein Würfel mit Tieren. Würfelt man einen Bären, sagt der Würfel: „Kuckuck, ich bin’s, der Bär! Den hatten wohl fast alle Kinder meiner Freunde irgendwann mal. Wenn sie älter werden, stehen diese Tonieboxen hoch im Kurs. Da finde ich allerdings schade, dass sich da keine eigenen MP3s vernünftig aufspielen lassen.

  • Haben sie Spielzeug das Du hasst und warum ist es ätzend?

Ich mag kein Spielzeug, das laut ist. Würde ich ein Elternpaar hassen, würde ich ihrem Kind vermutlich irgendwas schenken, das quietscht, eine Sirene hat und über viele Knöpfe verfügt, die alle Geräusche absondern.

  •  Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Spielzeug für uns?

Einmal haben wir Mondangriff gespielt. Ich konnte die Lego-Raumschiffe nie wieder in den Ausgangszustand bringen. Das war das Ende meiner Lego-Karriere.

7. Du arbeitest ja viele Jahre in der Videospieleindustrie.Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder?

Auf jeden Fall unverkrampft. Das ist alles kein Teufelszeug. Elektronische Spiele üben auf Kinder eine hohe Faszination aus. Eltern sind im Alltag nicht in der Lage, ihre Kinder diesem Sog zu entziehen. Was zu Hause nicht passiert, ereignet sich dann ohnehin später bei Freunden. Deshalb kommt es meines Erachtens darauf an, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern einen angemessenen Umgang mit diesen Dingen erarbeiten. Ein Smartphone ist nicht per se schlecht, auch Computerspiele sind an sich eine gute Sache.

Solange sich Eltern für den Nachwuchs interessieren und ihn nicht jeden Tag vor einem elektronischen Alleinunterhalter parken, können sie kaum etwas falsch machen

Wer sich bei Computerspielen unsicher über die Inhalte ist, der kann einen Blick auf die Altersfreigabe der USK werfen oder sich auf Youtube ein Video zum jeweiligen Spiel ansehen. Das ist nicht schwer. Meist kommt es nur auf die Dosis an. Ich denke, da lassen sich individuelle Regeln finden. Strikte Verbote bringen nichts, wenn die Eltern sie nicht durchsetzen können oder selbst dem Kind etwas anderes vorleben. Wer als Elternteil selbst dauernd am Smartphone hängt, braucht seinen Kindern nicht versuchen zu erklären, dass das nicht gut sei. Hätte ich Kinder, würde ich vermutlich versuchen, sie so lange wie möglich ohne Bildschirm zu erziehen und sobald das ein Thema wird das ganze gemeinsam mit ihnen angehen. Tatsächlich würde ich mich freuen, wenn meine Kinder die gleiche Freude mit den Videospielen hätten, wie ich auch.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Da möchte ich keines besonders hervorheben. Von sogenannter Edutainment-Software halte ich in den meisten Fällen wenig. Bei vollwertigen Spielen kommt es sehr auf das jeweilige Kind an, dessen Entwicklungsstand und Interessen. Ich persönlich spiele gerne Trials oder Rayman Legends, aber schwer zu sagen, wann da der Schwierigkeitsgrad ein Kind überfordert. Kauf einfach irgendwas von Nintendo, da machst du selten etwas falsch.

Joachim Hesse
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Vielen Dank Joachim Hesse, was für ein spannendes Interview!