Harald hesse interview

Harald Hesse hat evangelische Theologie studiert und Journalismus von der Pike auf gelernt. Über 20 Jahre war er bei einem auf die Medienbranche spezialisierten Verlag tätig, 16 Jahre davon als Chefredakteur verschiedener Branchen- und Endkunden-Publikationen (GamesMarkt, Mobile Entertainment, VideoMarkt u.a.). Mit seinem Redaktionsservice “Harald Hesse textmanufaktur” hat er mittlerweile den Pfad des Freien Journalisten eingeschlagen. Als Freischreiber treibt er sich viel im Themenfeld „Digitalien“ herum, als Buchautor schreibt er über Land und Leute, Gott und die Welt. Sein aktuelles Buch „Glücksorte am Chiemsee“ , das er zusammen mit seiner Frau Andrea geschrieben hat, ist seit dem 13. März 2019 überall im Handel erhältlich.

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Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

In meinem dörflichen Kinderwunderland in Fröndenberg-Hohenheide/Ruhr gab es so einige Vergnügungen. Allen voran meine Matchbox-Autos, die im Laufe weniger Jahre zu einer beträchtlichen Sammlung anwuchsen. Nie wieder in meinem späteren Leben sollten Automobile eine so große Faszination auf mich ausüben wie in meiner frühen Kindheit. Bei schlechtem Wetter spielte ich damit im Haus: die Teppichmuster, der Parkettboden, die Möbel – alles verwandelte sich in Straßen, Flächen und Objekte, die sich harmonisch in meine Autowelt einfügten. Bei gutem Wetter ging’s nach draußen in den großzügigen Sandkasten, dessen lockere Füllung sich unter dem Einsatz von schwerem Gerät wie Schaufel, Walze und Harke zu einem Verkehrsnetz formen ließ, die ein stundenlanges Verweilen im heimischen Fantasialand erlaubte. Da gab es längst nicht nur die üblichen Pkw-Marken, auch haufenweise Nutzfahrzeuge waren am Start. Kurzum, ich hatte eine ganze Menge Spaß – vollkommen emissionsfrei! Wie herrlich war das denn!

Was für ein Wonneproppen!

Erinnerungen an Teddy und LEGO

Daneben, das räume ich gerne ein, gab es noch einen kuscheligen Zottelbären namens „Teddy“ mit wunderschönen braunen Knopfaugen. Der hat tatsächlich viele Jahre an meiner Seite verbracht – drinnen wie draußen –, weshalb sein Fell auch mit der Zeit arg ramponiert aussah und er so manches Mal von meiner geliebten Oma Minchen (Betonung auf dem „i“) zusammengeflickt werden musste. Irgendwann haben sich unsere Wege dann getrennt: Wann und unter welchen Umständen erinnere ich zwar nicht mehr, ich habe ihm aber bestimmt ein trauriges „Mach’s gut, Kumpel“ hinterhergerufen.

Natürlich bereicherten meine Kindheit auch die berühmt-berüchtigten Legosteine –  eimerweise. Darauf folgte die legendäre Fischertechnik: erst das Grundsortiment, dann die subtileren Konstruktionen, die zum Leidwesen meiner Eltern vergeblich versuchten, den angehenden Ingenieur in mir hervorzukitzeln. Gut, einen Versuch war es wert. Am Ende habe ich mich aber doch für ein geisteswissenschaftliches Studium entschieden. Und das war auch gut so!

Harald Hesse Interview

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Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Ich bin, wie gesagt, in einem Dorf aufgewachsen. Mit viel Land- und Viehwirtschaft. Von Feldern und Wäldern buchstäblich umzingelt. Mit anderen Worten: inmitten von Natur pur. Das hatte den unschätzbaren Vorteil, dass sich unsere Eltern, korrekter: unsere Mütter, die Väter gingen allesamt ihrer Arbeit nach, nie sorgen mussten, wo sich die Kleinen gerade herumtrieben. Selbst wenn sie über Stunden nicht in Sicht- und Hörweite waren. Was sollte uns auch schon widerfahren? Gut, passiert ist genug: Blutende Schürfwunden und verstauchte Knöchel waren an der Tagesordnung; auch gebrochene Arme und der Verlust eines Zahnes kamen vor – das waren aber seltene Ausnahmen. Nun, wer über Stock und Stein durchs Unterholz streift, in beeindruckender Höhe Baumhütten baut, mit Pfeil- und Bogen auf Kaninchenjagd geht, muss auch leichtere Kollateralschäden wegstecken können.

Bullerbü lag mitten in NRW

Es ging aber auch bodenständiger zu: So hatten wir im Freundeskreis das große Glück, mit sehr vielen Tieren leben zu dürfen, darunter Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Pferde – und zwei Shetlandponys. Deren Namen weiß ich bis heute: der wilde und launische „Feuerball“ und der freundliche und tiefenentspannte „Blacky“. Um beide durften, mussten und wollten wir uns damals kümmern: Striegeln, Füttern, Tränken, Bewegen und Reiten standen auf dem Programm.

Und natürlich haben wir Fangen und Verstecken oder „Räuber und Gendarm“ gespielt, Drachen steigen lassen, Kastanien gesammelt, um mit Streichhölzern kleine Figuren daraus zu basteln. Nicht zu vergessen: Gummihüpfen – stundenlang und mit wachsender Begeisterung. Bis ich zwölf oder 13 Jahre alt war. Dann war mit meinem westfälisch-ländlichen Bullerbü auf einen Schlag Schluss. Von da an zählten für mich nur noch Fußball, Handball und Schach; alle drei im Verein, am längsten aber Schach.

Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Deiner Kindheit? Welche hast Du besonders gemocht und warum?

Ich erinnere mich noch sehr gut an zwei absolute Lieblingsplätze von uns Kindern. Der eine befand sich auf einer Lichtung ganz tief im Wald, am äußersten westlichen Hohenheider Ortsrand, der andere in der Krone eines verwachsenen Weidenbaums, wenige hundert Meter östlich vom Dorfkern entfernt. Wenn wir ungestört sein wollten, trafen wir uns im Wald. Dort lagen und saßen wir im Gras und zwischen Farnen, ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen und heckten die wildesten Dinge aus. Hier haben wir die ersten Zigaretten geraucht – heimlich und mit gravierenden Folgen für unsere Verdauung. Um den nikotingetränkten Atem zu überdecken, aßen wir auf dem Heimweg unreife Birnen, was uns nicht sonderlich bekam. Wollten wir planlos die Zeit vertreiben, kamen wir im Baumhaus zusammen. Das hatte einen festen Boden, vier Seitenwände, zwei davon mit kleinem Fenster, und ein flaches Dach überm Kopf. Der ideale Treffpunkt. Bei Wind und Wetter. Mit einer Thermoskanne voller Hagebuttentee und ein paar Keksen konnte man es dort gut aushalten.

Was war Deine geheime Fantasie als Kind? Wolltest vielleicht ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job?

Ich persönlich habe keine Erinnerung mehr daran. Aber enge Vertraute aus Kindertagen haben bei allem, was ihnen heilig ist, geschworen, dass ich immer davon gesprochen hätte, entweder Haifischtaucher oder Pastor zu werden. Letzteres hätte ich ja fast erreicht, wäre ich nicht mit dem kirchlichen Examen in der Tasche doch noch kurz vor der Kanzel links in Richtung Journalismus abgebogen.

Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne? An welchen Stücken und Erinnerungen aus Ihrer Kindheit hängt Dein Herz besonders?

Wenn ich heute spiele, was leider viel zu selten der Fall ist, dann spiele ich vorwiegend Brettspiele: „Kniffel, „Tabu“ und „Activity“ mit der Familie. Mein all-time-favorite ist und bleibt aber Schach, was ich aber gegen den Computer spiele. Derzeit fehlt mir ein fleischlicher Gegenspieler. Ein Spielzeug, das ich aufgehoben habe, gibt es auch: ein kleines zusammenklappbares Magnetschachspiel, das mir meine Oma zu meinem zwölften oder 13. Geburtstag geschenkt hat. Und da wäre noch der erste Schachcomputer aus Jugendtagen, den ich mir Ende der 70er-/Anfang der 80er-Jahre, glaube ich, für verdammt viele D-Mark gekauft habe. Eine sehr gute Investition! Das Teil war jeden Pfennig wert!

Schachcomputer für Kinder

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Verrätst Du uns die Namen und das Alter Deiner Kinder?

Anna Lea (27 Jahre) und Jonathan (22 Jahre).

Was waren Ihre Lieblingsspielzeuge?

Das ist ja schon ein paar Jahre her. Bei der Spielzeugauswahl unterschieden sich unsere Kinder aber nicht groß von anderen Kindern. Wir haben alles durch- und mitgemacht: von Puppen über Feuerwehrautos bis zu Vorlesebüchern, Hörspielen, Legosteinen, Wasser- und Gartenspielen. Wie ein roter Faden zieht sich bei beiden Kindern eine besondere Affinität zu digitalen Spielen durch ihre Kindertage.  

Welches Spielzeug Deiner Kinder hast Du gehasst und warum?

Gehasst habe ich ein einziges Spielzeug, und wie! Das war ein Roboter, ca. 50-60 Zentimeter hoch, konnte nix, nur Lichter blinken lassen und selten blöde Sätze in den Raum scheppern, untermalt von metallischem Gekrächze. Sein Produktname: Emiglio. Kurzum, ein Plastikschrott zum Schreien und Davonlaufen. Aber der Sohnemann hatte sich das Teil sooo sehr gewünscht. Also gaben wir nach und seiner Oma einen Tipp, den sie zu gerne annahm. Wir hatten jedenfalls Weihnachten den Salat bzw. Roboter. Zum Glück hat unser Sohn kaum damit gespielt, sodass ich mir keine Exitstrategie für dieses Ungetüm überlegen musste.

Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Spielzeug für uns?

Weniger lustig, eher dramatisch. Unsere Tochter hatte damals eine ganz tolle Kuschelfigur geschenkt bekommen. Wunderschön anzusehen, aus Samt, fühlte sich gut an, Grün- und Rottöne dominierten, mit einer Zipfelmütze, lag gut in der Hand. Sie liebte diese Puppe einfach heiß und innig. Nur damit schlief sie ein, hielt sie ständig im Arm. Eine ganz dicke Sache zwischen den beiden. Dann, nach einem längeren Spaziergang durch den Ort, war das Teil wie vom Erdboden verschwunden. Obwohl wir die ganze Strecke sofort noch einmal abgegangen sind, blieb es verschwunden. Die folgende Trauerarbeit und -zeit währte Tage und stellte Eltern und Kind vor große Herausforderungen. Aber auch diese Aufgabe haben wir am Ende gelöst. Und das Thema Kuscheltier war damit vom Tisch. Keine der später kommenden und gehenden Puppen und Stofftiere hat jenen Verlust kompensieren können. Bis heute!

Der einäugige Goldfisch

Ach, da fällt mir doch was Lustiges ein – naja, wie man es nimmt – wir hatten mal einen Sommer lang ein Aquarium mit Goldfischen im Garten. Einer davon, der größte Brocken im Becken, war einäugig. Ob es nun damit zusammenhing, wer weiß, der Bursche hatte jedenfalls die dumme Angewohnheit, im hohen Bogen aus dem Becken zu springen. Interessanterweise tat er das nur, wenn wir daneben standen. Dieses Verhalten fanden alle (mit Ausnahme meiner Frau) nicht nur auffällig, sondern auch witzig. Da wurde so manche Lachträne vergossen. Dieses Treiben ging mehrmals gut, bis es der Einäugige einmal ohne uns wiederholte. Das war’s für ihn.

interview harald hesse

Unkaputtbar

Du hast ja viele Jahre in der Videospieleindustrie gearbeitet. Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder?

Auch digitale Spiele sind Spiele. Für jeden Geschmack, für jedes Alter findet sich ein passendes und geeignetes Spiel. Aber wie immer im Leben kommt es auch hierbei auf die richtige Dosierung an. Mit den beiden Leitplanken „Alles in Maßen!“ und „Auf die Mischung kommt es an!“ sind wir immer ganz gut gefahren. Gleichwohl haben wir stets ein Auge auf das elektronische Spieleverhalten unserer Kinder gehabt. Da kam nur ins Laufwerk, was auch altersgerecht war. Wissend, dass die USK-Alterskennzeichen keine pädagogischen Aussagen treffen. Da wurde auch nur mit anderen Kindern gezockt, wenn deren Eltern nichts dagegen hatten. Ich habe auch mit anderen Eltern gesprochen, was meine Kinder in „Digitalien“ dürfen und was nicht, wenn sie bei ihnen zu Gast wären. Dann war mir sehr wichtig, mit meinen Kindern auch über das, was sie gerade spielten, im Gespräch zu bleiben. Irgendwann haben wir sogar wöchentliche Zeitbudgets festgelegt, die die Kinder selbst managen durften. Überhaupt haben wir streng darauf geachtet, dass unsere Kinder nichts vernachlässigten: ihre Freunde, Hausaufgaben, Freizeitaktivitäten, Sport usw. Nahm „Digitalien“ überhand, tagte der Familienrat – worst case wurde der Stecker gezogen. Ende im Gelände. Das hat uns gut durch die Jahre gebracht!

Wann sind sie soweit? Soll man unverkrampft ran gehen, oder zu streng die Bildschirmzeit limitieren?

Hier haben wir uns an die einschlägigen Empfehlungen diverser Leuchttürme der Medienpädagogik gehalten. Um Alarmisten wie den Kriminologen Christian Pfeiffer oder den Psychiater Manfred Spitzer haben wir dabei immer einen großen Bogen gemacht. Da gab es einfach seriösere, vor allem aber kompetentere Fachautoritäten. Im Netz haben wir damals sehr auf „klicksafe.de“ vertraut. Gibt es heute noch. Und als die „Killerspieledebatte“ über Deutschland hinwegfegte, haben meine Frau (Lehrerin) und ich (Fachredakteur) sogar selbst einen Elternratgeber geschrieben. Der Titel sagte schon alles: „Computer- und Videospiele. Alles, was Eltern wissen sollten. Wo Sie Ja sagen können und wo Sie Nein sagen müssen“.  

Interview Harald Hesse

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Hat sich Deine Meinung dazu verändert, seit Du selbst Vater bist?

Nein, im Gegenteil.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Ist schwierig, weil ich das Thema nicht mehr so im Auge habe. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Wir sind damals so verfahren: Wir haben uns mit den Kindern, als sie noch kleiner waren, zusammengesetzt und gemeinsam eine bestimmte Auswahl an Spielen getroffen. Jeder durfte Vorschläge machen – wir, die Eltern, aber auch unsere Kinder. Wir haben uns dann die betreffenden Spiele und Webseiten angeschaut und entschieden, welche genutzt werden durften. Die Entscheidung haben wir begründet. Eine Empfehlung gebe ich immer wieder gern: „Fritz und fertig“, eine sehr populäre, vielleicht die populärste Softwarereihe für Kinderschach. Ganz entzückend! Vor allem aber haben meine Kinder damit am Computer Schach gelernt – und, als die Zeit reif war, ihren alten Herrn auf dem Brett herausgefordert. Klasse!

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Was für ein schönes Interview, Harald Hesse: Vielen Dank dafür!

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