Interview Kindheit

Hans Ippisch ist ein Urgestein der Videospiele-Industrie in Deutschland. Er hat selbst Spiele entwickelt, als Fachjournalist gearbeitet und heute ist er der Chef des führenden deutschsprachigen Medienunternehmens im Bereich Games, IT & Consumer Electronics. Zweifacher Vater ist er auch seit einigen Jahren. Wir hatten die Gelegenheit, Hans zu interviewen. Mit ihm über seine Kindheit und seine Kinder zu sprechen.

Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

Bevor mich ab 1984 (im Alter von 14) der Commodore 64 Heimcomputer in Beschlag nahm, auf dem ich insbesondere sehr gerne programmierte, beschäftigte ich mich ausgiebig mit Fischer Technik. Hier bekam ich jedes Jahr zu Weihnachten einen neuen Kasten. Außerdem liebte ich Elektronik-Baukästen und detailgetreue Fahrzeuge. So habe ich noch heute die Dampfmaschine, die fahren kann.

Hans Ippisch Kindheit
Der kleine Hans beim ersten Schultag 1976

Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Wenn wir nicht Fußball gespielt haben, dann absolvierten mein Kumpel Horst und ich selbsterfundene Sportmeisterschaften mit dem Fahrrad (wer kommt mit 20 Pedaltritten am weitesten) oder spielten mit unseren Freunden Räuber und Gendarm mit unseren Holzgewehren. Einer durfte dann auch Dr. Mabuse spielen!

Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Deiner Kindheit? 

Das Angebot an kindgerechten Spielplätzen war bei uns im Bayerischen Wald in den 70ern nicht so üppig. Wir trafen uns meistens auf den großzügigen Bauernhöfen, wo es bei den Oswalds einen tollen Lagerfeuerplatz gab oder bei den Kreuzers, die eine eigene Hütte hatten, in der es auch im Winter gemütlich war. Wenn Schnee lag trafen wir uns bei mir zuhause – dahinter konnte man direkt einen Hügel runter rutschen und über selbst gebaute Sprungschanzen hüpfen.

Was war Deine geheime Fantasie als Kind? Wolltest vielleicht ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job? 

Ich war ganz fest davon überzeugt, dass ich fliegen kann. Befürchte aber, dass das nur in meinen Träumen der Fall war, dass ich ganz langsam über dem Boden vorwärts schweben konnte. Davon abgesehen, dachte ich, dass ich vermutlich ein Roboter oder Außerirdischer bin. Meine Frau würde wohl zustimmen.

Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne?  Gibt es Spielzeuge, die Du aus Liebe und Nostalgie bis heute aufgehoben haben? 

Wenn ich genau nachdenke, dann spiele ich eigentlich kaum mehr alleine – abgesehen von Schafkopfen mit einer App auf meinem Smartphone oder zwei, drei Mal im Jahr mit Freunden. Ansonsten ist es immer besonders toll, wenn wir als Familie zu viert spielen, beispielsweise Mario Party oder Mario Kart auf der Switch oder Monopoly. Mit meinen Söhnen spiele ich sehr gerne Schach. Wenn Freunde zu Besuch sind, dann ist Tabu immer besonders unterhaltsam. Und für den Fall der Fälle steht auch ein alter C64 bereit, auf dem man auch meine Spiele zocken kann…aber natürlich auch andere Games.

Du hast ja Kinder, Hans – wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu einige Fragen stellen: Verrätst Du uns die Namen und das Alter? Was sind die Lieblingsspielzeuge?

Luca ist mit 16 aus dem klassischen Spielealter raus, da stehen die Freundin, Schwimmen und Tennis mittlerweile im Vordergrund, sofern er nicht auf dem PC oder der PlayStation zockt. Vincent ist 12, er spielt noch extrem gerne mit allen Arten von Lego, liest sehr gerne Bücher und übt intensiv Gitarre.

Welches Spielzeug Deiner Kinder hast du gehasst und warum?

Wirklich gehasst habe ich kein Spielzeug, nur besonders „laute“ Produkte nerven. Und Abneigung empfinde ich am ehesten für Fortnite, das beide Jungs immer spielen würden,wenn sie dürften.

Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Spielzeug für uns? 

Sehr bemerkenswert fand ich, dass Vincent im Alter von acht Jahren sich unbemerkt eine Fotokamera schnappte und dann mit seinem Lego-Spielzeug faszinierende Stop-Motion-Filme anfertigte. Und im Alter von zehn plötzlich selber geschnittene und vertonte Videos auf YouTube hochlud. Und das alles ohne Anleitung.

Du hast ja viele Jahre in der Videospieleindustrie gearbeitet. Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder? Hat sich Deine Sicht geändert, als Du Vater wurdest?

Ich denke, ich bin bei elektronischen Spielen kritischer als der durchschnittliche Vater. Ich möchte einfach nicht, dass es heißt, bei den Ippischs dürfen sie immer Videogames spielen. Ich empfehle Eltern, dass sie genau darauf achten sollen, ob die Produkte, die ihre Kinder spielen, wirklich für das Alter geeignet sind. Man sollte auch die Spielzeit limitieren – nicht mehr als 1 oder 2h pro Tag. Und dafür sorgen, dass die Kinder auch eine körperliche Betätigung haben, beispielsweise in einem Sport-Verein.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Produkte von Nintendo sind generell sehr gut, Super Mario, Mario Party oder Zelda garantieren eigentlich immer beste Qualität.

Vielen Dank für das spannende Interview, Hans!

Hans Ippisch (* 17. April 1970) ist ein ehemaliger deutscher  Spieleentwickler, Computerspiel-Journalist und heute Chief Executive Officer (CEO)/Vorsitzender der Geschäftsführung der Computec Media GmbH sowie Geschäftsführer der Tochterunternehmen 4Players, Golem Media, Aruba Events und CMS Media Services. Darüber hinaus ist er Mitglied des Group Management Boards der Marquard MediaGruppe (Schweiz)[1] sowie Vorstandsmitglied des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB).[2] 

Hans Ippisch auf Wikipedia