Fortnite Battle Royale: Gemeinsam strategisch zum Sieg - Test

"Fortnite Battle Royale" hat sich einen festen Platz in der Popkultur erkämpft. Wie funktioniert das Spiel und was ist eigentlich "Battle Royale"?

Name: Fortnite Battle Royale   ★   Verlag: Epic Games   ★   Alter: ab 14   ★   Spieler: 1   ★   Preis: kostenlos (aber mit unzähligen optionalen Ingame-Käufen)

Neben “Minecraft” hat es vor allem das Spiel “Fortnite” mit seinem kostenlosen Ableger “Fortnite Battle Royale” geschafft, ein echtes Pop-Kultur-Phänomen zu werden. Kaum ein Kind oder Jugendlicher hat sich bisher nicht am “The Floss” versucht. Einem Siegertanz bei dem beide Arme seitlich am Körper vorbeischwingen, während die Hüfte von links nach rechts geschwungen wird. Dieser Tanz ist so populär, dass wir ihn sogar von Profi-Fußballern nach einem Torerfolg im Fernsehen vorgeführt bekommen. Zum Beispiel von Antoine Griezmann oder dem Torschützenkönig der Fußball WM 2018: Harry Kane. Und genau dieser Tanz zeigt auch, wie beliebt das Spiel im Jahr 2018 geworden ist. Aber was ist eigentlich “Fortnite Battle Royale”, wie funktioniert es, woher kommt und wie spielt sich das Spiel, das Millionen Spieler rund um den Globus an PC, PlayStation 4 und Xbox One fesselt? Wir wagen mal eine Erklärung.

Was ist Battle Royale?

Um das Phänomen Battle Royale zu verstehen, hilft es ein wenig zu wissen, woher das Genre kommt und was genau eigentlich damit gemeint ist. Der Begriff “Battle Royale” geht auf den gleichnamigen japanischen Film aus dem Jahre 2000 zurück. In dieser bitterbösen und brutalen Satire wird als Teil der “Millennium-Bildungsreform” die schlechteste Schulklasse eines Jahrgangs zu einem staatlich sanktionierten “Spiel” auf eine Insel gebracht. Dort sollen sich, zum Wohle einer besseren – weil weniger schwachen – Gesellschaft, die Schüler dann gegenseitig umbringen, bis nur noch ein einziger Schüler übrig ist, der dann zurück in die Gesellschaft darf. Klingt vertraut? Das gleiche Prinzip, wenn auch deutlich abgehobener, finden wir auch in der Basis der “Hunger Games” (also “Die Tribute von Panem”).

Keine Sorge, bitte

Jetzt aber bitte nicht gleich losziehen und den Film besorgen, denn der war – meiner Meinung nach zu Recht – lange Zeit auf dem Index und hat mit unserem eigentlichen Thema, nämlich “Fortnite Battle Royale” nur eines gemeinsam: das Prinzip des “Last Man Standing”. Und das hat sich in Videospielen von einem Nischendasein im Jahr 2018 so explosionsartig gemausert, dass es inzwischen eine ganze Batterie an Spielen mit diesem Überlebensmodus gibt. Eine der frühesten Battle Royale-Modifikationen gab es für “Minecraft”. Mit “PlayerUnknown’s Battlegrounds” oder auch kurz “PUBG” wurde dann das erste Spiel auf den Markt gebracht, dass ausschließlich mit diesem Modus daherkam. “Fortnite” ist mit dem kostenlosen Standalone-Modus “Fortnite Battle Royale” auf den Zug aufgesprungen und hat inzwischen eine der größten aktiven Spieler-Communities überhaupt.

Wie funktioniert Battle Royale?

Im Grunde ist alles ganz einfach: Eine Insel. Viele Spieler. Jede Menge Waffen. Und los geht der Kampf ums Überleben. Bei “PUBG” zum Beispiel kämpft man alleine oder als Squad gegen alle anderen und muss versuchen auf der riesigen Insel, zunächst mal eine vernünftige Ausrüstung zusammen zu sammeln (neudeutsch “looten”). Dabei rennt oder fährt man von Pontius nach Pilatus und plündert die Häuser der Geisterstädte, die überall auf der Spielwelt zu finden sind. Der Clou des Ganzen ist: die anderen Spieler versuchen ja das Gleiche und so trifft man zwangsläufig auf seine Kontrahenten. Ein Schusswechsel ist unvermeidlich.

Kein Extraleben

Wer hier ins virtuelle Gras beißt, kommt nicht wie in anderen Spielen sofort wieder zurück auf die Map, sondern muss bis zum Ende der Runde aussetzen. Man hat nur dieses eine Leben! Und damit man sich nicht irgendwo auf der Insel einigelt und schön darauf wartet, dass die anderen Spieler sich gegenseitig abmurksen, schrumpft die Spielzone unaufhörlich kreisförmig zusammen. Wer sich zuletzt lebendig in dieser “Safe-Zone” aufhält, gewinnt die Partie.

Was ist denn nun das Besondere bei Fortnite Battle Royale?

Zunächst mal sei allen, die vorhin einen kleinen Schock bekommen haben, gesagt: “Fortnite Battle Royale” ist nicht brutal. Fortnite ist auch nicht fotorealistisch. Und “Fortnite Battle Royale” hat auch nicht den Anspruch sozial- oder gesellschaftskritisch zu sein oder unsere Kids und Jugendlichen zu Ellbogen-Bestien zu erziehen. Wer sich die Grafik des Spiels anschaut, wird schnell feststellen, dass es sich um einen comicartigen Stil handelt. Eine der Besonderheiten des Spiels ist, dass hier alles kooperativ abläuft. Die Map beginnt mit 100 Spielern, die auf zwei Teams von jeweils 50 Leuten aufgeteilt werden. Wie in anderen Battle Royale-Games auch, springen die Spieler hier mit einer Minimalausrüstung über der Insel aus einem Flugzeug und landen auf ihr.

Über Stock und über Stein

Da man in diesem Game jedoch statt einer ersten Waffe, nur mit einer Spitzhacke ausgerüstet landet, ist auch die Prämisse eine andere. Denn es müssen Baumaterialien wie Holz, Stein und Metall gesammelt werden, um so Wände, Treppen und andere Gebäudeteile errichten zu können. Diese bieten Schutz vor den Gegnern und deren Beschuss oder können benutzt werden, um Hindernisse zu überwinden. Die Waffen sind auch hier überall auf der Map verteilt und zwischendurch kommt es zu sogenannten “Lootdrops”, also Nachschublieferungen, die sehr lohnend sein können, jedoch meistens ein Hotspot für Gefechte sind.

Meine erste Begegnung mit Fortnite Battle Royale

Da das Spiel inzwischen auch auf der Nintendo Switch zu Hause ist, habe ich mir das kostenlose Game heruntergeladen und direkt mal ausprobiert. Und… bin kläglich gescheitert. Meine erste Partie – sie ging rund zehn Minuten – habe ich auf dem Beifahrersitz eines Quads verbracht. Gesteuert wurde das Vehikel von einem zufällig vorbeirasenden Mitspieler meines Teams, der mit der hügeligen Landschaft ein wenig überfordert war. Und so dauerte es nicht lange, bis wir den ersten wunderbaren Crash mit unserem Fortbewegungsmittel bauten. Auf einem Hügel überschlugen wir uns und wurden nach überstandenem Überschlag zu allem Überfluss auch noch vom gegenüber liegenden Hügel vom Feind beschossen. Es folgte ein kurzer Schusswechsel auf freiem Feld, der mit der Flucht meines Fahrers und meinem Tod endete.

Mit der Spitzhacke ging es weiter

Die zweite Partie war da schon ein wenig erbaulicher. Auch weil ich auf eine Mitfahrgelegenheit verzichtete. Das Prinzip des Lootens hatte ich schon in unzähligen angesehenen Partien “PUBG” verinnerlicht und hatte es sofort auf die Spielwelt in “Fortnite Battle Royale” übertragen können. So weit, so gut. Aber wie funktioniert das mit dem Bauen? Wo kriege ich Materialien her? Und welche Möglichkeiten bringt dieses Feature mit sich? Obwohl der Spielbildschirm zunächst recht überladen wirkt ist alles ganz simpel. Ausrüstung sammeln, Felsen, Metall und Bäume oder Möbel für Steine, Metall und Holz mit der Spitzhacke bearbeiten und die Rohstoffe einsammeln.

Dann wird es taktisch

Anschließend sucht man sich, sofern man die ersten Gefechte überlebt hat eine Ecke im Inneren der Safe-Zone, die hier “Auge des Sturms” heisst und legt sich auf die Lauer oder rennt in Rambo-Manier auf den Feind zu. Generell ist “Fortnite Battle Royale” genau wie die anderen Spiele dieses Genres ein sehr taktisches Game. Ein Hinterhalt den man für den Feind vorbereitet kann schnell zur eigenen Todesfalle werden. Eine gute Verteidigungsstrategie wird hier noch durch die Bauten verstärkt. An die Geschwindigkeit mit der versierte Spieler ein wehrhaftes Holzfort bauen können, ist staunenswert. Ich sage das sehr selten, aber ich glaube “Ich werde zu alt für diesen Sch…abernack!”.

Für wen ist das Spiel gedacht?

Das Spiel richtet sich mit seinem Look und dem schnellen Gameplay an eine junge Zielgruppe. Prinzipiell würde ich sagen, dass die Thematik eines Shooters eine gewisse Mindestreife von 12, eher sogar 14 Jahren voraussetzt. Der Grafikstil ist abstrakt genug, das Spiel selbst sehr unbrutal, wenn man sich die Genre-Konkurrenz anschaut. “Easy to learn, hard to master” gilt bei diesem Spiel vor allem dann, wenn man sich anschaut, was alles so möglich ist. Die taktischen Finessen sind mannigfaltig. Am besten schaut man sich mal den einen oder anderen Stream zu “Fortnite Battle Royale” auf Twitch an.

Was sagt die USK dazu?

Irrwitziger Weise nichts. Das eigentliche Spiel “Fortnite” hat eine USK 12-Einstufung. Da es die kostenlose Stand-Alone-Erweiterung “Fortnite Battle Royale” nur digital als Download gibt, ist die USK hier nicht zuständig da für den Internetvertrieb in Deutschland nicht das Jugendschutzgesetz (JuSchG) des Bundes, sondern der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) gilt. Die Nintendo Switch-Version wird mit einem 16er-Label versehen, was aber tatsächlich eher eine Empfehlung ist. Die PEGI gibt das Spiel als 12er-Titel frei, der Spieleratgeber NRW empfiehlt als Mindestalter 14 Jahre.

Das sagt Daniel:
Von der philosophischen und gesellschaftskritischen Komponente des Filmes ist im Spiel nicht viel übrig geblieben. Das ist aber vollkommen okay. Denn dafür ist der Spaß- und Spannungsfaktor für die meisten SpielerInnen der treibende Faktor. Über die eigene Dummheit zu lachen, wenn man unbedarft und naiv in einen Hinterhalt tapert oder sich wie der König der Welt zu freuen, wenn man es endlich mal geschafft hat unter den letzten zehn Spielern zu sein: beides ist ganz großes Tennis. Und überquert man doch mal früh im Spiel den virtuellen Jordan, dann ist das gar nicht so schlimm, denn beim “spectaten” – pardon zuschauen – lernt man eine ganze Menge über das Spiel und die Möglichkeiten.

Kann man dabei etwas lernen?

Ha! Was für ein Übergang. Teamwork ist Trumpf. Denn alleine kann hier niemand einen Blumentopf gewinnen. Na gut, kann man schon, aber warum sich beim zocken das Leben unnötig schwer machen? Gemeinsam lässt sich der Sieg so viel einfacher erringen. Und gerade durch die Bau-Komponente und die Tatsache, dass man beim Looten besser immer jemanden dabei hat, der einem den Pixel-Hintern sichert, wird das zusammen spielen schnell zum Zusammenspiel.

Elternwertung: Ich vergebe für dieses quietsch-bunte sehr spaßige Game vier Cookies.