Unter Zeitverschwendung verstehen wir hier bei “Mutti Spielt” nur tolle Sachen. Versteht sich von selbst. Neben Kindern, Spielen und Spielzeug aller Art geht es auch um Reisen, Essen, Sport, Aufräumen (KANN Spaß machen! Haben wir erforscht), Lifestylesachen, Leute, Moden, unser Leben ganz allgemein. Und heute mal um Yoga.

Als große Sportverweigerin ist Chefredakteurin Mimi nicht gerade die erste, die “hier” schreit, wenn irgendwo ein Yogakurs angeboten wird. Als es ihr vor einiger Zeit aber mal nicht so gut ging und die Seele in Schieflage baumelte, da hat sie es ausprobiert.

Mimi hat einen Yoga-Kurs in einem Yoga-Center in Griechenland gebucht. Da kam sie nicht mehr aus und musste sich eine Woche lang nur um sich selbst kümmern. Und die Wirbelsäule dabei verdrehen.

Mimis Erfahrung: Das Ganze war ziemlich toll und alle Zweifler können hier Nachlesen, warum Yoga nicht durchgeistigt sein muss, dass man dabei tolle Leute kennen lernen kann und nicht unbedingt Sweatpants von Pucci braucht.

Mehr über das Center, in dem Mimi das erste Mal Yoga machte, gibt es hier: www.ilios-center.com

(Dieser bearbeitete Text erschien ursprünglich in “DONNA”)

 

erste mal yoga

Mit so einem Meditationskissen steigt man leichter ein

Das erste Mal: Yoga

Doch, ich hatte es schon probiert.

Theoretisch.

Ich hatte Freundinnen zum Yoga gebracht, Freundinnen vom Yoga abgeholt, mich am Eingang über Mode, Buddhas und Duftöle im Sonderangebot informiert und festgestellt, dass jetzt nur noch Yoga-Heizdecken fehlen.

Und ich hatte mir immer wieder geschworen: „Ich versuche das auch mal. Irgendwann.“ Dabei sah ich straffen Frauenkörpern hinterher, die sogar joggend nirgendwo kein bisschen wabbelten.

Daneben ich: hüftgold-beladen und halsstarrig.

Mein Mantra: Später.

Mein Schicksal: Später kommt früher als man denkt.

Denn zu diesem Jahresende steckte ich in einer Krise fest.

Das alte Jahr hatte so schaurig aufgehört wie das neue enden würde.

Wenn das so weiterging.

Mein Kontostand kullerte, ich verlor Freunde, Dispos, Aufträge und traute mich irgendwann nicht mal mehr ans Telefon zu gehen.

Es war sowieso immer Frau Bernheim vom Finanzamt dran.

erste Mal yoga

Praktisch für yoga Reisen

Raus aus der Krise!

Innerlich verkarstet wie ein abgefackeltes Stück Ibizawald steuerte ich auf die große Leere zu: Burn Out.

Dieser Begriff wurde übrigens schon 1974 von dem deutsch-amerikanischen Psychiater Herbert Freudenberger erfunden. Er unterschied dabei zwölf Stufen des Ausbrennens bis hin zum endgültigen Zusammenbruch.

Ich pendelte mich – so nahm ich an – gerade bei Zehn ein.

„Du musst dich entspannen“, mahnten die wenigen verbliebenen Freunde, die zu diesem Zeitpunkt vor allem aus inneren Stimmen bestanden.

Und weil das Internet zum Stichwort “Entspannung” Trillionen Einträge liefert, verließ ich mich lieber auf den Tipp einer Freundin.

Der gute Rat: Buche einen Yoga-Kurs in Griechenland!

Sie empfahl eine Reise in die Tiefenentspannung in einem griechisch-paradiesischen Resort.

Denn genau so einen “Krisen”-Urlaub hatte sie vor einem Jahr gebucht und war noch immer beseelt. Eine Woche testet man sich dabei in einem Center names “Ilios” durch die Spielarten der inneren Ruhe: Tai Chi, Qigong, Meditation, Trance, Tanz, Massage und Malerei.

Obendrauf soll ein Yoga-Kurs letzte Verspannungen lösen.

Aber kann eine wie ich, ohne die geringste Ahnung von Yogaposen, Ananassen, Hindi und Schmindi zu geübten Yogis fahren?

Ich kann ja noch nicht mal eine einzige isometrische Übung.

Mit Fragen im Kopf und Misstrauen im Blick kam ich nach kurzem Flug plus Überfahrt trotzdem spätabends im „Ilios Center“ in Griechenland an.

Es warteten auf mich: 36 strahlend weiße Terrassenappartements, 30 Gäste, vor allem Frauen, und eine sehr grüne Anlage, gelegen zwischen dem Fährhafen von Igoumenitsa und dem charmanten Städtchen Perdika an der griechischen Westküste.

Auf der großen Terrasse mit Blick auf dunkle Wellen und Sonnendrama nahm ich einen Willkommenssalat zu mir (was, kein Dessert?) und fiel ins Bett. Meine letzten Gedanken galten meiner eingebildeten Gastritis, einer Tafel Noisette und Frau Bernheim.

Ich burnte immer noch aus, das spürte ich. Es knisterte leise zwischen meinen Magenwänden.

yoga erste Mal

Zur Dekoration

Der erste Morgen im Yoga-Center: Lavendelduft und Honigbällchen

Am nächsten Morgen aber konnte ich nicht anders. Ich musste lächeln.

Das „Center“ entpuppte sich im milden Tageslicht als Paradies aus Bougainville-Blüten, Lavendelduft, Sonnenschirmchen, Liegestühlen und einem feinen Pool.

Und ganz anders als beim Dinner gab es schon zum Frühstück eine Art Dessert: Herrlich saftige Honigbällchen von Chefkoch Jannis.

Dazu lockten:

Eine sonnengeflutete Yogahalle mit Küstenblick.

Meerwasser, Pinien und Olivenhaine.

Der Strand, nur einen Kirschkernspucker entfernt und viele einsame Buchten, die alle „Secret Beach“ hießen.

War das der Garten Eden?

Sowieso.

Hier hätte die Schlange Adam und Eva höchstens zu Lotussitz und Sonnengruß verführt, und alles wäre in Butter gewesen für die Menschheit.

yoga erste Mal

Ein nach Lavendel duftender Mops. Nun gut 😉

Der Yoga-Kurs beginnt

Trotzdem: Nur Faulenzen war nicht geplant, und noch vor dem Frühstück renkte sich die Yoga-Gruppe ein.

Mein erster Kontakt mit dem Turn-Trend (so nannte ich Yoga in meinem gehässigen Kopf noch immer) war zugegeben: angenehm.

Weder wurde ich in einen Kopfstand gezwungen noch wurde die Heizung auf vierzig Grad hochgejubelt.

Die spektakulär sympathische Yoga-Lehrerin Tanja glaubte mir sogar, dass meine Arme „wirklich viel zu kurz“ seien, um bei durchgestreckten Beinen die Hände auf den Boden zu legen. „Vielleicht ist das ja so bei Dir“, sagte sie lächelnd und in diesem Augenblick verliebte ich mich in sie.

Tanjas Stimme war sanft wie ein Kissen.

Streichelte dort, wo Hände nicht hinkommen und bald zwang ich mich morgens um sechs aus dem Bett, um nr ja ihre Stimme nicht zu verpassen.

Dazu kam: ihr Look. Tanja war das Gegenteil der schicken Großstadt-Yoginis: dicke Dreadlocks, ungeschminktes Gesicht, weite Hosen und braungebrannte Füße, die garantiert noch nie einen Stiletto von innen gesehen hatten.

Um ihre Stimme zu hören, steht man gerne auf: Yogalehrerin Tanja Sailer im Ilios Center in Griechenland.

So vieles konnte man sich von ihr Abgucken. Die langsamen, ausgeruhten Bewegungen, ihre Muße, ihre Umsicht. Sie weckte in uns allen ganz schnell den Ehrgeiz, jetzt wirklich etwas ändern zu wollen im Leben. Ganz ohne Duftöle und Yogamode.

Dass sich auf den fünfzehn Matten vor ihr Anfänger neben Fortgeschrittenen und sogar ausgebildete Yogalehrerinnen verrenkten, machte überhaupt nichts.

Jeder kam mit, keiner langweilte sich. Tanjas ausgeklügeltes Programm brachte alle ins Schwitzen und ganz bestimmt weiter.

Am Montag lernte ich die Wirbelsäule „wie eine Perlenschnur“ in Zeitlupe abzulegen und drehte mich irgendwie seltsam zur Seite („das Krokodil“), am Dienstag atmete ich prustend durch die Nase (pfft, pfft, pfft, „Feueratem“), saß kerzengerade mit verschränkten Beinen („Diamantsitz“) und machte schon am Mittwoch „den Hund“, eine enorm entspannende Räkelart. Hunde wissen, was gut tut.

yoga erste Mal

Die wären doch gut!

Wir bleiben albern und werden Freunde – wie bei Dolly auf der Burg

„Schon vor 3500 Jahren, so alt ist Yoga vermutlich, haben die ersten Yogis die Bewegungen der Tiere studiert und diese umgesetzt“. Erzählte Tanja in einer Theoriestunde und schrieb auf ihr Flipboard: „Yoga als Geisteswissenschaft“.

Das mag öde klingen, aber wir hörten gespannt zu und lachten – viel, laut, ständig.

Von wegen durchgeistigste Yogis.

Einmal wetteten wir am Morgen um ein paar Münzen, wie viele Dreadlocks Tanja auf dem Kopf hatte.

Marlen aus der Schweiz zählte mit Erlaubnis nach – es waren 78.

Ich verlor haushoch.

In so einem Ambiente kommt man sich in kürzester Zeit näher. Und es wurde ein bisschen wie bei „Dolly auf der Burg“.

Wir Yogamädels saßen kichernd im Gras, machten Tai Chi am Strand und tranken unzählige Cappuccini auf der magischen Terrasse.

Ruckzuck kannte ich die Lebensgeschichten von Vera aus Berlin, Hannah aus dem Bergischen Land, Marlen aus St. Moritz und Petra aus Köln.

Dass wir alle eine Extrarunde Entspannung nötig hatten, wurde schnell klar.

Eine hatte gerade eine harte Krankheit hinter sich, andere knabberten an Scheidungen und sonstigen kleinen und großen Krisen.

Die “Mädels” waren im echten Leben Psychotherapeutin in Frankfurt, Arzthelferin in Tirol und Fluglotsin in Bayern. Kosmetikerin Bine erzählte von zickigen Botox-Ladies und unterbesetzten Nagelstudios und ausgerechnet die beiden ältesten Frauen in der Runde entpuppten sich als biegsame Bewegungswunder.

Wir wurden ruckzuck eine verschworene Gemeinschaft.

Yoga muss gar nicht durchgeistigt sein

Im “Ilios” habe ich gelernt: So ein “Yoga-Center” muss nicht esoterisch sein und erst recht kein dogmatischer Ashram, in dem Yoginis tadelnd fragen: „Was, du hast einen FERNSEHER?“

Nein, hier wurde von Berliner Eisbein geschwärmt, wurden Modetrends diskutiert und nicht befolgt, Soaps besprochen und ganz und gar weltliche Büchertipps ausgetauscht. Ewiger Renner: „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt.

Die Yoga-Lehrerin hat in einer indischen Höhle gelebt

Und bevor ich mich wieder in den Sonnengruß werfe, noch ein paar Informationen zu der fantastischen Yoga-Lehrerin Tanja Seiler: Vor 25 Jahren landete sie über etliche Umwege (Freiburg-Kurdistan-Pakistan) in Indien und ging dort bei einem Yogi in die Lehre.

Sie lebte lange in einer Höhle mitten im indischen Nirgendwo und ihr Meister in der Höhle darüber. Zurück in Deutschland unterfütterte sie seine Praxis-Lehren mit einem Philosophie- und Indologie-Studium.

Es gab kaum ein Yoga-nahes-Thema, das sie nicht sachkundig erklären konnte. In Freiburg leitet sie heute ihr eigenes Yoga-Zentrum. Im Institut für Yoga kann man sie dort besuchen und buchen.

Der letzte Ausflug nach Paga und Abschied von der “Burg”

Am Donnerstag, einem der heißesten Tage, unternahmen wir einen letzten Ausflug in die nächste, größere Stadt Parga. Die mit ihren Holzbooten, Steintreppen, den verschachtelten Häusern, Boutiquen und Strandcafes sehr malerisch wirkt.

„Können wir nicht ewig bleiben?“, fragte Hannah.

Diese eine Woche ging aber auch verdammt schnell vorbei.

Am Freitag Abend saßen wir dann alle ziemlich bedripst ein letztes Mal auf unserer geliebten Terrasse, tauschten Adressen und verdrückten ein paar Tränen.

„Es kam uns vor wie eine lange Zeit, so intensiv war das“, seufzte der Chor der Heimfahrer.

Tschüss, du glühende Sonne, tschüss, ihr alterslosen „Dolly auf der Burg“-Mädels.

Ach, und das noch:

In der letzten Nacht galten meine Gedanken vor dem Einschlafen den Honigbällchen von Jannis, dem guten Gefühl in meinem Bauch und dem Duft von Lavendel. Wer war noch mal Frau Bernheim?

erste Mal yoga

Auch eine Art griechischer Entspannung

Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Das bedeutet, wir erhalten eine kleine Provision, wenn ihr dort kauft. Selbstverständlich ohne Mehrkosten für Euch.
Letzte Aktualisierung der Produkte am: 29.11.2021 / Produktbilder von der Amazon Product Advertising API