Christian Gürnth

Christian Gürnth

Die Generation, die gemeinsam mit ihren Eltern die Super Mario Bros. durch dunkle Keller und Verliese geführt und zusammen mit Link Hyrule gerettet hat, setzt nun selbst Kinder in die Welt. Einer von ihnen ist Christian Gürnth: Gamer, ehemaliger Videospiel-Redakteur und eine von drei Stimmen von Radio Nukular, einem der bekanntesten Podcasts zum Thema Videospiele und Nerdtum; und Vater eines siebenjährigen Sohnes. Muttispielt.de hat mit ihm über das Leben als Gamer-Papa geplaudert.

Videospiele sind seit deiner frühen Kindheit ein fester Bestandteil deines Lebens. Welches Game hat es als erstes geschafft, dich so richtig in seinen Bann zu ziehen?
Das erste Spiel, welches mich vollends gefesselt hat und mit einer Geschichte aufwarten konnte, das war sicherlich Secret of Mana. Klar mochte und spielte ich zuvor schon Videospiele: Turtles auf dem Game Boy, Space Taxi auf dem C64 oder etwaigen anderen Kram. Aber Secret of Mana war die erste und vielleicht auch ehrlichste Videospielliebe, die ich je gespürt habe. Gemeinsam mit meinem besten Freund beendete ich das Teil Dutzende Male und war immer wieder vom Stil, Inhalt und Witz begeistert.

Glaubst du, dass diese Form der Begeisterung ausschließlich Kindern vorbehalten ist?
Nein. Ich erlebe in täglichen Gesprächen, dass diese Art der Begeisterung auch bei Erwachsenen auftaucht, allerdings eben seltener. Was auch damit zusammenhängt, dass sich in der Videospielbranche bestimmte Mechanismen etabliert haben und sich nur wenige Entwickler und Publisher von diesen komplett abkehren. Ich selbst war im vergangenen Jahr sehr begeistert von Spielen wie Cuphead, Slay the Spire oder auch A Way Out. Es gibt Perlen. Diese sind aber eben nicht immer offenkundig für alle sichtbar, da sie im Spieleregal nicht zwingend neben FIFA und Call of Duty stehen.

Du bist selbst Vater eines siebenjährigen Sohnes, der sich ja sicherlich auch schon fürs Gaming begeistern lässt. Glaubst du, du hast gegenüber Eltern, die keinerlei Berührungspunkte zu Videospielen haben, Vorteile?
Ja. Die entscheidenden Vorteile sind die, dass ich a) ein guter Koop-Partner bin und b) genau weiß, was wie lange gespielt werden kann, ohne dass es in irgendeiner Form “zu viel” wird. Durch das Hintergrundwissen weiß ich auch, welche Spiele zwar auf Kinder zugeschnitten sind, aber mit ekelhafter Spielinhaltspolitik für Download-Inhalte daherkommen oder sich ihre Altersfreigabe eben nicht verdient haben. Das Gute: Kinder brauchen nicht die aktuellsten Spiele, deshalb kann ich da auf ein großes Sammelsurium an Spieleklassikern zurückgreifen.

Viele Eltern haben keinerlei Bezug zu Videospielen. Sie sind überfordert mit Technik, Angebot und Erziehungsfragen. Hast du ein paar Tipps, die du ihnen mitgeben möchtest?
Sucht euch ein unabhängiges Testmagazin im Netz, schaut auf die Altersfreigaben der Spiele und spielt gemeinsam mit euren Kindern. Es ist nicht schlimm, bei Videospielen ggf. überfordert zu sein. In den meisten Fällen verstehen die Kids das sowieso schneller und besser als die Eltern. Wichtig ist eher, dass man die Zeit gemeinsam nutzt und das Kind nicht einfach als TV-Ersatz vor das iPad oder die Xbox pflanzt.

Radio Nukular auf Tour

Mit Radio Nukular tourt Christian (mitte) durch Deutschland.

Als erfahrener Gamer hat man Qualitätsansprüche. Hat dein Sohn schon mal ein Top-Spiel links liegen gelassen und dafür einen ganz fürchterlichen Titel gefeiert? Wie sehr schmerzt das einem Gamer-Herz?
Ach, solange der Kleine Spaß hat, hüpft das Gamer-Herz auch so. Ich habe selbst oft mit “nicht perfekten” Spielen sehr viel Spaß, man muss es eben nur “fühlen”. Schlimmer sind da schlechte TV-Sendungen “für Kinder”, die manche Eltern sich tagtäglich gefühlt 23-mal geben müssen. Und ganz zur Not ist es eben so, dass “das Spiel LEIDER, LEIDER, LEIDER kaputtgegangen ist”. Schade.

Gibt es ein Game aus deiner Kindheit, welches du gerne mit deinem Sohn noch einmal erleben möchtest?
Durch den NES Mini Classic und den SNES Mini Classic sowie die Nintendo Switch kann ich da derzeit nicht klagen. Es fing an mit dem ersten Zelda und geht gerade über “Klassiker” wie das Remastered zu Burnout Paradise. Durch das Interesse meines Sohnes an Ninjago, haben wir natürlich schon LEGO Ninjago durchgespielt – ich war grenzenlos überfordert, allein vom Spieldesign, er meisterte den Kram ohne Probleme. Ich freue mich darauf, wenn er alt genug ist, um Secret of Mana mit mir durchzuspielen – und in elf Jahren geht es spätestens an die Gears-of-War-Reihe. Muss sein.

Bei Spielen wie LEGO Ninjago passiert so viel mehr auf dem Bildschirm als damals bei den NES-Titeln, mit denen ich z.B. aufgewachsen bin. Können die Klassiker auf NES und SNES Classic bei deinem Sohn überhaupt noch Begeisterung hervorrufen?
Es kommt darauf an, wie man dem Kind das Ganze verkauft. Klar ist ein Zelda auf dem NES vor allem romantisiert “schön”. Aber wenn man sich auf dem iPad eine große Weltkarte danebenlegt, dann von Bildschirm zu Bildschirm läuft und auf der Karte seinen Verlauf dokumentiert, dann ist das eben eine andere Art Bindung zu dem Spiel oder eben zum Eltern-Kind-Spaß. Aber ja: Rein vom Audiovisuellen her gesehen sind aktuelle Spiele natürlich weitaus spannender als Retro-Games von vor zwanzig oder dreißig Jahren.

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