Boris Gojic

Boris Gojic hat sich vor zwölf Jahren den Traum vom Job in der Videospielindustrie erfüllt und als PR-Manager bei Electronic Arts in Köln gestartet. 2010 tauschte er den Rhein gegen die Isar in München und schloss sich dem Xbox-Team bei Microsoft Deutschland an, kümmerte sich dort bis 2017 um das Partner-Marketing, Social Media und PR.  Seit einem halben Jahr unterstützt Boris als Director Business Development das Live-Stream-Advertising Startup loots in Berlin.

Was hast Du als Kind am liebsten gespielt, wenn Du alleine zuhause warst?

Ich war vollkommen verloren in der Welt der Matchbox-Autos. Matchbox, Majorette und Siku. Mein Vater hat mir jedes Mal von der Tankstelle ein neues Auto mitgebracht, mit dem ich die abenteuerlichsten Stunts vollführt habe. Was habe ich Sprungschanzen und Straßen aus allerlei Quatsch gebaut. Danach kamen dann ferngesteuerte Autos. Die haben sich bewegt, weil ICH auf einen Knopf gedrückt oder einen Hebel bewegt habe, das muss man sich mal vorstellen!

Was habe ich damals an Batterien und Akkus verbraucht. Man konnte auch nicht mit seinen Freunden mit den Autos spielen, weil alle auf der gleichen Frequenz gesendet haben und am Ende nichts ging. Mit meinen beiden größeren Schwestern war nix anzufangen. Die waren sieben, bzw. acht Jahre älter. Die haben sich logischerweise nicht für den kleinen Bruder interessiert.  

Seit der Einschulung fast unverändert! (Vom Bart mal abgesehen)

Was hast Du als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt und warum?

Kindheit in den 80ern bedeutet vor allem: US-Serien. Knight Rider, A-Team, MacGyver und Street Hawk. Da haben wir natürlich immer die jeweils aktuelle Folge auf dem Spielplatz nachgespielt. Die Schaukel musste als K.I.T.T. herhalten Verfolgungsjagden fanden auf der Rutsche statt. Wenn das nicht mehr gereicht hat, wurden die Kettcars mit Spraydosen wie der A-Team-Van lackiert, was viele Eltern zur Verzweiflung brachte. Abgesehen davon, war alles wie vermutlich überall sonst auch: Spielplätze und viel, viel Fantasie.

Erinnerst Du Dich an besonders beliebte Kinderspiele oder Treffpunkte Deiner Kindheit?

Ich hatte das unglaubliche Glück in einem kleinen Dorf mit nicht mehr als 300 Einwohnern groß zu werden. Abgesehen von der Hauptstraße war quasi ALLES verkehrsberuhigt. Es gab keinen Ort, an dem wir nicht gespielt haben. Alle Nachbarn waren super-tolerant und haben uns überall, in jedem Garten herumtollen lassen. Das klingt heute total absurd. Zudem war das Grundstück um unser Haus RIESIG. Wir haben im Pfarrhaus gelebt und der Pfarrgarten war gigantisch, viele Bäume, ein alter Brunnen, Platz ohne Ende. Im Hof konnte man Fußball und Basketball spielen, Kettcar fahren, meine Mutter hatte immer für alle Kinder Kuchen und Süßigkeiten am Start. Es war IMMER was los bei uns. Das habe ich sehr genossen, weil alle Kinder immer gerne bei uns waren.

Was war Deine geheime Fantasie als Kind?

Die TV-Serie „Ein Colt für alle Fälle“ hat mich dahingehend komplett geprägt. Ich wollte einfach IRGENDWAS von dem durchleben, was mein Idol Colt Seavers erreicht hatte: Stuntman oder Kopfgeldjäger werden, einen coolen Pick-Up fahren, in Los Angeles wohnen. Das war für mich das allergrößte! Als ich dann ein wenig älter wurde, hat meine Schwester eine Ausbildung bei einer Plattenfirma angefangen und brachte Bilder und Autogramme von meinen Stars nach Hause. Plötzlich war mein Idol kein fiktiver Character aus einer TV-Sendung mehr, sondern meine Schwester, die nur ein Zimmer weiter saß. Es ist schon sehr verrückt, wenn die Schwester, die man jahrelang doof fand, plötzlich der coolste Mensch ist, den man kennt.

Welche Spiele spielst Du heute als Erwachsener gerne?

Ich. Liebe. Videospiele! Ich bin unendlich dankbar, dass ich mir diese Liebe erhalten habe und auch heute noch am besten an der Xbox oder Switch entspannen kann. Meine unsterbliche Videospiel-Liebe gilt aber dem Super-NES, den ich mir mehrfach auf Ebay wiedergeholt habe. Einfach die perfekte Konsole, die ich auch heute noch regelmäßig anschließe. Abseits vom Tele-Spiel bin ich immer noch begeistert und fasziniert von LEGO. Während ich in meiner Kindheit eher lose Klötzchen-Sammlungen mein Eigen genannt habe, liebe ich es heute, die lizenzierten Modelle von Star Wars, Ghostbusters und Co zusammenzubauen. Ich halte LEGO nach wie vor für das kreativste Kinderspielzeug und hoffe, dass die Dänen auch weiterhin Sets für alle zwischen drei und 99 verkaufen werden.

Boris Gojic

Echt Retro und einfach cool!

Du hast keine Kinder, Boris aber Du bist Onkel, richtig? Wenn es möglich ist, würden wir gerne auch dazu drei Fragen stellen:

Verrätst Du uns den Namen und das Alter des Kindes?

Olivia, knapp 8 Jahre alt.

Was sind die Lieblingsspielzeuge, weißt Du das?

Ich glaube, wenn ich das wüsste, könnte ich reich werden. Kinder in dem Alter haben jeden Tagen etwas anderes am Start. Mal reicht ein Blatt Papier und Bleistift, mal gibt es nichts interessanteres als ein iPad. Auch wenn sie sich hervorragend mit sich selbst beschäftigen kann, habe ich das Gefühl, dass sie am liebsten mit jemandem aus der Familie tobt. Ob mit dem Onkel, Papa, Tante, Mama, Opa… in dem Alter scheint man auch heute noch empfänglich für die Aufmerksamkeit eines Verwandten zu sein.

Hat sie Spielzeug das Du hasst und warum ist es ätzend?

Sorry, aber FUCKING PLAYMOBIL?! Was soll das? Fertig zusammengebautes Zeug, das thematisch schon alles vorgibt? Der totale Killer von Kreativität, Fantasie und Spieltrieb. Die Figuren kaum anpassbar, sehen seit 100 Jahren gleich aus. Für mich komplett überbewertet. Weg damit!

 Hast Du vielleicht eine lustige Anekdote rund ums Thema Kinderspiele oder Spielzeug für uns?

Die Geschichte haben mir meine Eltern erzählt. Ich hatte als ich so drei Jahre alt war einen Plastik-LKW, den ich abgöttisch geliebt habe. Mit Anhänger und Autos drauf, hab das Ding tatsächlich noch vor meinem geistigen Auge, auch wenn ich nicht mehr weiß, wann ich es das letzte Mal gesehen habe. Meine Eltern sollten Besuch bekommen und der Besuch hatte Zwillinge, die eher… naja sie waren Krawallkinder ohne Benehmen, die dauernd Spielsachen kaputt machten. Meine Mama hat also den LKW weggepackt, damit niemand mein Lieblingsspielzeug kaputt macht. Sie hat allerdings nicht mit meiner Reaktion gerechnet. Ich habe scheinbar sofort Fieber und Schweißausbrüche bekommen, war kaum ansprechbar und habe auf nichts reagiert. Bevor es zum Kinderarzt ging, habe ich aber meinen geliebten LKW wiederbekommen… sofort ging es mir besser. Fieber war weg, ich war die Ruhe selbst. Mama wird’s schon richten…

Du arbeitest ja viele Jahre in der Videospieleindustrie. Wie ist Deine Meinung zu elektronischen Spielen für Kinder? Soll man unverkrampft ran gehen, oder ganz streng die Bildschirmzeit limitieren?

Puh… witzigerweise kam ich durch meinen Vater zu Videospielen. Weihnachten 1989, wir gehen an einem Elektronikgeschäft vorbei. „Sohn, schau mal, ein Game Boy. Haben das jetzt nicht alle Kinder? Willst du auch einen?“ Ich: „Äh… ok?“ Das war der Start und mein Vater hat es noch vor dem Beginn der 90er bereut. Andererseits hat es meinen beruflichen Weg geebnet. Ich persönlich denke, dass Kids ab 6 Jahren anfangen können, Videospiele zu spielen. Aber ich meine wirklich Videospiele am TV, mit einer Handlung, der man folgen kann und die eine gewisse Geschicklichkeit erfordern. Kein Smartphone-Kram, wo sich die Interaktion auf eine „Taste“ beschränkt. Es sollte etwas besonders sein und nicht eine 10 Minuten-Session weil sich kein Erwachsener gerade mit dem Kind beschäftigen will. Tatsächlich ist es zwei Wochen her, dass ich meiner Nichte das erste Mal einen Xbox-Controller in die Hand gedrückt habe. Pixar Rush war das Spiel, eine Ansammlung von kleineren Games in den verschiedenen Pixar-Universen. Sie hat das alles sehr ehrfürchtig aufgenommen, viel Respekt vor der Komplexität gehabt, die sie trotzdem spielerisch gemeistert hat. Das wird ein mobile Game nie schaffen. Nach einer halben Stunde war sie auch vollkommen glücklich und es war kein Problem, dass sie aufhören musste. Freut sich aufs nächste Mal. Wunderbar.

Welches Videospiel oder welche App für Kinder findest Du besonders empfehlenswert?

Nee kann ich eigentlich nicht. Ich bin, wie schon geschrieben, der Überzeugung, dass man Kids keine Mobile Games in die Hand geben sollte. Die Mechanismen sind nicht besonders befriedigend und es fällt schwerer, das Gerät aus der Hand zu geben. Meiner Meinung nach sollte man mit einem Spiel auf Konsole beginnen, bei der man als Vater oder Mutter (Onkel oder Tante) notfalls mit einem zweiten Controller helfen kann. So behält das Kind mit dem eigenen Gamepad die Kontrolle, ohne gefrustet zu sein. Videospiele sollten Erfolgserlebnisse vermitteln und bestenfalls gehen diese über das lösen von „Additionen im Zahlenraum bis 20“ hinaus, wie es so viele schrottige „Edu-Games“ vormachen.

Boris Gojic

Ein Spaß für Große und Kleine

Vielen Dank für das Interview, Boris Gojic!

Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Das bedeutet, wir erhalten eine kleine Provision, wenn ihr dort kauft. Selbstverständlich ohne Mehrkosten für Euch.
Letzte Aktualisierung der Produkte am: 9.12.2019 / Produktbilder von der Amazon Product Advertising API