Rolling-Stone-Redakteurin Birgit Fuß beim Interview mit Campino

Dass sie einmal für den Rolling Stone um die Welt reisen würde, um Robbie Williams, Coldplay oder U2 zu interviewen, war nicht abzusehen, als Birgit Fuß (45) in den 70er Jahren in dem ziemlich überschaubaren, bayerischen Dorf Tandern aufwuchs. Inzwischen arbeitet sie aber schon seit 20 Jahren bei dem berühmten Musikmagazin, lebt in Berlin in der Nähe vom Landwehrkanal und kann noch heute das Knödelgedicht vom Pumuckl astrein aufsagen. Der war für sie früher nämlich mindestens so relevant wie Bono heute.

Wir haben Birgit auch nach ihren Lieblingskinderklamotten gefragt, weil sie auf ihrem alten Foto (s.u.) so ein niedliches Ernie-Shirt trägt. Birgit über frühe fashion-fails: „Ich weiß nicht, wie das genau mit diesem Ernie-Shirt war, aber ich erinnere mich, dass ich in der dritten Klasse mal mit einem khakifarbenen Safari-Anzug mit Leoparden-Applikation in die Schule kam. Ich fand den todschick und modern, aber meine Mitschüler hatten so was noch nie gesehen. Und haben gelacht. Vielleicht der erste Moment, in dem ich dachte: Pah, was wisst Ihr schon!“

Was haben Sie als Kind am liebsten gespielt, wenn Sie alleine zu Hause waren?

Ich habe gern meine große Schlumpf-Sammlung auf dem Teppich arrangiert und mir Geschichten dazu ausgedacht, ebenso mit den Monchichis. Puppen fand ich doof, Teddys schon besser. Aber am liebsten habe ich gebastelt, also mit viel Kleber, getrockneten Blumen, alten Radiergummis oder Salzteig rumgesaut.

Was haben Sie als Kind am liebsten draußen mit anderen Kindern gespielt?

In meinem Dorf gab es nicht viele Kinder, die ich mochte. Deshalb bin ich lieber alleine Rollschuh gefahren. Oft auch nur auf unserer Terrasse, weil ich ein eher unsportlicher Angsthase war, also mit Walkman immer um die Tischtennisplatte herum, bis Mama befürchtete, dass ich „einen Drehwurm bekomme“.

Erinnern Sie sich an besonders beliebte Geräte oder Treffpunkte Ihrer Kindheit?

Meine Schwester und ich waren oft im Maisfeld hinter unserem Haus – da konnten wir uns super verstecken. Manchmal sahen wir da auch eine Maus. Im Garten hatten wir eine Schaukel, aber am liebsten waren wir im Schwimmbad. Da konnten wir Kleinkram versenken und danach tauchen, bis uns die Luft ausging.

Rolling-Stone-Redakteurin Birgit Fuß als Kind zuhause in Tandern.

Was war Ihre geheime Fantasie als Kind? Wollten Sie ein Superheld sein oder lieber ein Erwachsener mit einem tollen Job? Oder etwas ganz anderes?

Als Siebenjährige wollte ich dringend Chris Roberts heiraten. Oder, wenn das nicht möglich ist, den Direktor der Mon-Cheri-Fabrik. Und ich wollte schon immer möglichst viel von der Welt sehen. Unsichtbar sein wie der Pumuckl war auch so ein Traum von mir. Berufswünsche hatte ich bis zum Gymnasium keine, glaube ich. Erst dann habe ich erkannt, dass ich, statt Axl Rose zu heiraten, lieber Axl Rose sein wollte. Oder halt wenigstens Musikjournalistin.

Birgit Fuß: Für mich bitte den Direktor der Mon-Cheri-Fabrik.

Spielen Sie heute als Erwachsener noch Spiele? Wenn ja, welche? Und gibt es Spielzeuge, die Sie aus Liebe und Nostalgie bis heute aufgehoben haben? Oder haben Sie auf E-Bay etwas wiedergekauft, das Sie früher besaßen?

In der sechsten Klasse ungefähr habe ich aufgehört zu spielen, weil ich lieber so viel wie möglich lesen wollte. Seitdem habe ich nur noch selten Backgammon, Kniffel, Wissensspiele oder auch mal Sudoku gespielt. Spiele-Abende für Erwachsene sind für mich ein Grauen, da unterhalte ich mich lieber.
All mein Spielzeug ist leider bei einem Umzug verschwunden, aber ich habe später einige Pumuckl-Platten nachgekauft. Die ursprünglichen Cover-Zeichnungen von Barbara von Johnson sind so wunderbar! Damals sah der Pumuckl noch so wild aus, wie Ellis Kaut ihn sich gedacht hatte. Nicht so putzig wie später. Obwohl: Die Fernsehserie mochte ich sehr – allein schon wegen Hans Clarins Stimme. Für Menschen, die ich besonders mag, sage ich heute noch gerne das Knödelgedicht vom Pumuckl auf.