Der Herbst hat ja dieses Jahr wunderbar spät angefangen und dafür umso plötzlicher. Das Kind will nur noch in Ausnahmefällen raus und es ist an mir zu verhindern, dass es nur noch eckigen Spaß bei uns gibt (eckiger Spaß heißt in anderen Familien Medienzeit; uns ist das zu spröde- es macht ja solchen Spaß!). Da helfen bei uns nur noch Kastanien.

Mit der Aussicht darauf, Kastanien zu sammeln, bekam ich die ganze Familie vor die Tür. Wir trotzten dem kalten Herbstwind und waren eifrig wie die Eichhörnchen. Wir hatten, wie jedes Jahr, im Handumdrehen eine ganze Handtasche voll mit Kastanien.

Warum haben Mütter immer so große Handtaschen? 7,2 Kilo Kastanien…

Während ich mir noch Gedanken machte, was denn mit so vielen Kastanien passieren soll, so viele Tiere kann man gar nicht bauen, hatte meine Tochter eine tolle Idee: „Mama, damit machen wir eine Dinowelt!“ Wir bauten aus den Kastanien eine Landschaft für ihre Dino- Figuren. Mithilfe von Wasserfarbe, Zahnstochern, Bohrern, Klebstoff und einer einfachen Sperrholzplatte entstanden Geröllhaufen, ein Weg, ein See und eine Höhle aus Pappe gibt es auch. Allein der Bau der Dinowelt hat uns ein verregnetes Wochenende beschäftigt. Das machte viel Spaß und es entstanden immer wieder neue Idee. Besonders ambitioniert war natürlich mein handwerklich versierter Mann, der stabile Kastanienverbindungen mit Schrauben gezaubert hat.

Bis der Kleber trocken ist, helfen die Dinos fleißig mit, den Kastanienberg am Wegrollen zu hindern!

Jetzt haben wir jeden Tag nach der Schule etwas, womit wir gemeinsam spielen. Die Dinos haben ihre Freude daran, auf grünen Wiesen zu wandeln – immer aus den Augenwinkeln die Höhle beobachtend, ob sich der T-Rex auf die Jagd macht. Natürlich fressen sich die Dinos gegenseitig, darum klebt überall Blut.

Für die Pflanzenfresser ist ein kleiner Gemüseladen entstanden. Manche Dinos können erstaunlich gut sprechen und unterhalten sich darüber, wie man am besten Kaugummireste aus den langen Zahnlücken entfernt. Andere Dinos suchen nach einer Eisdiele – und das im Herbst. Wie unfassbar verfressen sind die eigentlich? Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht vor Lachen kringeln und unsere Dino-Geschichten mit immer neuen Ideen weiterspinnen.

Letztens kam der T-Rex in den Gemüseladen und wollte Würstchen kaufen… Echt ein komischer Typ!

Natürlich mache ich mir jetzt ein bisschen Sorgen – die Dinowelt steht auf unserem Esstisch. Das geht zwar um der schönen Beschäftigung Willen ein paar Wochen, aber nicht für immer. Außerdem kann es gut sein, dass die Kastanien anfangen zu schimmeln, oder? Wenn wir die Dinowelt irgendwann entsorgen müssen, gibt es ein Drama. Da bin ich mir sicher.

Mahlzeit!

Die Dinos ziehen dann wieder in ihre Schublade, aus der sie auch ohne eigene Landschaft regelmäßig befreit werden. Manchmal in Gesellschaft von einigen Bauernhoftieren, die immer wieder vom T-Rex verputzt werden. Ganz ohne Werbeauftrag, solche Gummitiere gibt es ja auch von diversen Firmen: Gummi- Tiere sind schon ein tolles Spielzeug! Sie sehen absolut echt aus, nichts ist verniedlicht. Sie fühlen sich in jedem Rahmen wohl: sei es auf dem Fußboden im Kinderzimmer, in der Badewanne oder in unserer Dinowelt. Das schafft eine wunderbare Grundlage für kreative Spielansätze und die sind nun mal das Gegenteil von der Berieselung durch eckigen Spaß, der auch seine ganz eigene Daseinberechtigung hat.

Dino Gossip: Der T-Rex hat nicht nur ne Glitzerhöhle, der lackiert auch seine Fußnägel. Ziemlich eitel, oder?