Sind junge Väter weichgespülte Wuschelbären?
Oder gibt es alte Rollenbären, Entschuldigung, -muster, die immer noch gelten?
Findet man moderne Väter auf dem Spielplatz statt am Schreibtisch?
Oder macht das im Zweifel doch lieber die Mama?
Und was will der Papa von heute überhaupt, also, von sich aus?

Das sind nur ein paar Fragen an die Papas von heute. Wir haben noch viel mehr. Der gelungene Spagat zwischen Familie und Arbeit wird ja meist immer noch den Müttern zugeschrieben. Aber ist nicht auch die Erwartung an das Engagement der Väter erheblich gestiegen? Wird von modernen Vätern nicht verlangt, dass sie sich mehr in die Erziehung einbringen als ihre eigenen Papas damals? Und wollen sie das nicht auch selbst so?
Martin ist so ein junger Vater, und er hat uns ein paar dieser Fragen beantwortet. Martin kennt sich aus, immerhin hat er mit 32 schon drei Kinder!
Und dass er ganz nebenbei im Thema „Spielen“ auch beruflich zuhause ist, macht ihn uns natürlich besonders sympathisch. Martin Aust ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der Browsergames-Schmiede Unikat Media GmbH.

Martin, wann hast Du beschlossen, eine Familie zu gründen?

Ich bin jetzt 32 Jahre alt und habe drei Kinder im Alter von sechs, vier und zwei Jahren. Meine Frau und ich haben schon ziemlich bald, mit 26 Jahren, beschlossen, dass es Zeit wird, eine Familie zu gründen. Und einmal angefangen, hat es uns so viel Spaß gemacht, dass wir das dann alle zwei Jahre wiederholten…

Mit 32 schon drei Kinder? Das ist ja toll. Dann ist bei Euch sicher immer Stimmung in der Bude. Hand aufs Herz: Wer leistet die meiste Familienarbeit?

Hm..wie definiert man Familienarbeit? Also, meine Frau ist ganz sicher das Herz der Familie. Sie hält alles zusammen, koordiniert und organisiert unseren Trupp. Und Stimmung ist hier immer, und das ist auch gut so.

Da Du in Deinem zarten Alter schon drei Kinder hast, können wir davon ausgehen, dass Du ein begeisterter Familienmensch bist. Welchen Anteil hast Du an Haushalt, Erziehung und Bespaßung der Kids?

Meine Frau und ich sind insgesamt ein ziemlich gutes Team, würde ich sagen. Und wenn wir abends mal zusammen auf der Couch landen wollen, um einen Film zu gucken, müssen eben alle mit ran. Bei der Erziehung bin ich eher der nicht-so-strenge Teil. Aber das liegt auch daran, dass meine Frau viel mehr Zeit mit den Kindern verbringt und damit deutlich mehr Konfliktsituationen ausgesetzt ist. Wenn ich von der Arbeit komme, wird erstmal ausgiebig getobt. Letztens habe ich gelesen: „Zuhause ist da, wo jemand rennt, um dich zu begrüßen!“. Das galt in dem Zusammenhang wohl eher für die Vierbeiner. Bei uns ist es allerdings genau so – nur mit Kindern.

Gibt es etwas, das die Kinder nur mit Dir machen? Ein „Papa spielt mit mir“-Ding?

Ja! Toben, Lego spielen und Handwerkliches wie Schrauben, Klopfen und Hämmern. Das sind Papa-Spiele. Ich bin aber auch ein prima Puppendoktor oder Kuchenbäcker. Wobei – das macht Mama deutlich besser. Habe ich zumindest gerade von meiner Sechsjährigen erfahren.

Und wer bringt die Kinder ins Bett? Bist Du der Vorleser?

Wir bringen unsere Kinder zusammen ins Bett, aber ich bin der Vorleser.
Bei drei Kindern dauert es manchmal ziemlich lange, bis wir uns einig sind, was heute Abend gelesen wird und in welcher Reihenfolge.

Dein Berufsleben dreht sich rund um das Thema „Elektronische Spiele für Erwachsene“. Spielst Du selbst?

Natürlich, und zwar so oft es geht. Leider habe ich heute nicht mehr so oft Zeit wie früher, aber ich versuche es zumindest. In meiner Uni-Zeit habe ich auch mal die Nächte durchgezockt, meistens Titel von “Blizzard” und da hauptsächlich “World of Warcraft”. Das war vielleicht nicht das förderlichste Mittel, was mein Studium betraf, aber ich denke, das Zocken hat mir im Nachhinein bei meinem jetzigen Job geholfen.

Was macht Dir beim Spielen mit den Kindern besonders viel Spaß ? Was nervt?

Spaß macht, dass man viele Dinge wieder entdeckt, die man als Kind selbst gespielt hat. Und trotz der vielbesungenen „neuen Generation“ – die Kreativität der Kinder ist einfach da, wie schon immer. Da wird dann aus einem alten Karton ruckzuck ein Raumschiff gebaut und alle fliegen mit. Was nervt? Ganz klar: danach aufräumen!

Wieviel Bildschirmzeit gebt Ihr Euren Kinder täglich? Habt Ihr deshalb Bedenken?

Eine festgelegte Bildschirmzeit gibt es bei uns nicht. Es gibt aber auch keinen festgelegten Badetag. Die Kinder dürfen alle Medien nutzen – nur altersgerecht sollten sie sein. Mittlerweile haben sich viele Anbieter auf Kinder eingestellt, ob KiKa oder YouTube Kids.
Unsere Zweijährige kann auf dem Tablet puzzeln, aber sie macht auch das richtige Puzzle ihrer großen Schwester mal eben fertig. Das kriegt sie hin. Ich denke, man sollte immer ein Auge darauf haben, und wissen, was genau man den Kindern da gibt.
Dass Kinder komplett von Elektronik ferngehalten werden, finde ich nicht mehr zeitgemäß. In der Schule unserer großen Tochter wird ab der ersten Klasse mit dem Smartboard unterrichtet. Das funktioniert per Touch Screen. Das ist doch toll. Das nenne ich Vorbereitung auf das Leben im 21. Jahrhundert. Meine Frau und ich sind in den Neunzigern groß geworden. Sonntags früh um sechs aufstehen und erstmal zwei Stunden “Li La Launebär” gucken war für uns damals auch ein Muss…

In den Siebziger und Achtziger Jahren haben wir Väter erlebt, die eher distanziert waren und für Ruhe und Ordnung sorgten. Du bist in den Neunzigern groß geworden –  wie war Dein Vater und was hast Du von ihm übernommen? Oder gibt es Dinge, die Du bewusst anders machst?

Mein Vater ist zur See gefahren und war dadurch nicht immer präsent. Trotzdem war er kein Vater, der für Ruhe und Ordnung sorgte. Lieber lag er mit mir und meinem Bruder drei Stunden auf dem Boden und hat mit uns Lego-Raumschiffe gebaut. Er hat auch immer im Haushalt mit angepackt. Selbst das Wickeln seiner Enkelkinder war kein Problem. Da wüsste ich gar nicht, was ich bewusst anders machen wollen würde als er.

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