Bild von einem Eichhörnchen

Ein Eichhörnchenmädchen namens Bruce - bei Mimi war sie erstmal in Sicherheit. Foto: Joerg Koch

Das kann jedem mal passieren: Aus heiterem Himmel findet man ein hilfloses Wildtier mitten in der Stadt und will nur eines: helfen. Egal ob Taube, Eichhörnchen, Igel oder Spätzchen, ein echter Tierfreund lässt kein Wesen leidend und alleine zurück. Natürlich kann man das entsprechend kleine Tier mit Hilfe eines Kleidungsstücks, eines Tuchs und möglichst eine Kartons erst mal in Sicherheit bringen. Aber wirklich nur dann, wenn sich das Tier nicht mehr selbst helfen kann oder sichtbar verletzt ist.

Aber was dann?

Mimi erzählt hier, wie sie an einem heißen Junitag einmal ein winziges apathisches Eichhörnchen fand, und wie sie nach einigem Suchen die richtige Hilfe für das Tierchen bekommen hat.

Top-Tipp: Die Internet Seite eichhörnchen-in-not.de aufrufen. Hier  gibt es gute Tipps zu erster Hilfe und erster Pflege und man findet alle deutschlandweiten Telefonnummern.

Ruft man die an, nehmen am anderen Ende der Leitung Fachleute ab, die einem sagen, wo man das Tier hinbringen kann. Auffangstationen für Tiere Not gibt es viele in Deutschland, auch für Vögel und sogar für die oft so ungeliebten Tauben (die ja auch nur kleine Wesen sind).

Mimi bekam fachmännlische Tipps zur Aufbewahrung und Versorgung ihres Schützlings und soger eine Tierärztin zur Seite gestellt. Hier ist ihr Bericht:

 

Da liegt doch etwas – mitten auf der Fahrbahn!

Es ist ein heißer Junitag, das Thermometer zeigt 32 Grad. Der Asphalt flimmert, Menschen eilen über den Parkplatz, schwitzen, schleppen und bemerken nicht das Drama, das sich da unten direkt zu ihren Füßen abspielt. Es geht um Leben und Tod. Was auf den ersten Blick wie ein Stück Stoff, ein Fuchsschwanz oder eine Pelzbrosche aussieht , ist ein Eichhörnchen, das da mitten auf der Fahrbahn liegt.

Das Eichhörnchen ist noch nicht erwachsen

Ich bin neugierig und gucke mir das Fellknäuel an. Es ist noch nicht erwachsen, dafür ist es viel zu klein. Aber es ist aber schon schwarz und buschig. Den Schwanz hat es wie zum Schutz über seinen winzigen Körper drapiert. Es bewegt sich nicht, aber: es lebt. Nur leider tut es das momentan in der Mitte dieser viel befahrenen Parkplatz-Straße in München. Über kurz oder lang wird es überfahren werden. Es atmet immer flacher, kaum noch hörbar. Ich bekomme Herzklopfen. Was tun?

Das Großstadtkind in mir hat natürlich Muttis gutgemeinte Ermahnungen im Kopf: Nicht anfassen, überträgt Krankheiten, beißt, kratzt… Also lieber das Halstuch abwickeln (nun ist es doch gut, dass ich eine Sommergrippe habe) und das Tierchen vorsichtig aufheben.

Das kleine Ding ist nur noch Haut und Knochen

Es wehrt sich nicht und fühlt sich schlapp an, nur Haut und Knochen. In einem angrenzenden Park deponiere ich es unter einem Baum im Schatten. Es bewegt sich nicht, atmet flach und kaum sichtbar. „Ich komme gleich wieder“, sage ich, so wie ich auch mit Tauben und Spinnen spreche (oh ja!), und keine zehn Minuten später halte ich mein Wort.

Das Eichhörnchen hat sich nicht einen Milimeter bewegt. Stattdessen röchelt es jetzt leise.

Wir finden eine “Eichhörnchen Nothilfe” im Internet

Dann also los – eine Rettungsaktion starten. An so einem schönen Sommertag sind die Menschen ja oft besonders freundlich. Ayman vom Obstladen hilft mit einem leeren Erbeerschälchen, in dem ich Bruce (so nenne ich das Eichhorn nach der alten Tierfinder-Tradition: wähle den Namen, der dir als erstes in den Sinn kommt) transportieren kann. Die Apothekerin drückt mir Visitenkarten von Tierärzten in die Hand, zuhause in der Wohnung spuckt das Internet die Seite „Eichhörnchen-Nothilfe“ aus. Sie liefert etliche Tipps – hervorragend! Viel Hilfe für ein Bündel Fell.

Stirb langsam ist keine Option!

Mein Mann baut aus einem Wächekorb und Pappkartons ein Gehege mit Rückzugs-Bungalow, legt Möhren, Nüsse und Apfelschnitze daneben– während ich nach einer Internet-Anleitung Honigwasser mit Salz aufkoche. Jede volle Stunde bekommt Bruce davon. Dann legt er seine Pfötchen um die Spritze und nuckelt was das Zeug hält. Eines scheint klar: Dieser Bruce will leben! Stirb langsam ist keine Option.

Tierärztin Vanessa schätzt das Eichhörnchen, das jetzt Bruce heißt

Bloß: Wo? Wo soll er jetzt hin? Wir rufen die Notfall-Nummer auf der Eichhörnchen-Seite an und entdecken: ein riesiges Netzwerk aus freiwilligen Tierfreunden, Ärzten und Pflegemüttern, die sich professionelle Aufzuchtstationen eingerichtet haben, um Wildtieren in Nöten zu helfen. Die ehrenamtliche Helferin und Tierärztin Vanessa holt Bruce, den sie auf sieben Wochen schätzt, am nächsten Tag bei uns ab. Vanessa zeigt uns dann auch, wie man jungen Eichhörnchen hilft, Urin abzulassen. Das können sie nämlich noch nicht alleine. Der Unterbauch wird sanft massiert – und schon läuft es. Bei dieser Gelegenheit stellt sie auch fest, dass es korrekt „die Bruce“ heißen muss. Der Eichhörnchenmann ist ein Mädchen! Eine Freundin witzelt: „Dann nenn ihn doch Conchita.“

So wird das Eichhörnchen wieder gesund gepflegt

Ab jetzt läuft alles nach Plan: Vanessa und ihr Team werden die Kleine aufpäppeln bis sie 12 Wochen alt und damit erwachsen ist. Dann folgt ein Aufenthalt in einer Voliere am Waldrand, und die Entlassung in die große Freiheit. Bruces Ausichten scheinen bestens. Und das Häufchen Elend vom heißen Parkplatzasphalt sieht schon jetzt viel munterer aus.

Wir atmen durch und freuen uns. Bruce wird hier richtig geholfen und bald wird sie wieder mopsfidel sein. Wir dürfen jetzt leise Servus sagen und noch ein mal das Eichhörnchen-Köpfchen kraulen. Tschüss, Lady Bruce. Das waren zwei aufregende Junitage mit Dir. Viel Glück da draußen. Und wenn Du mal Lust auf einen Schoppen Honigwasser hast – Du weißt ja, wo Du uns findest.

Foto von Bruce: Joerg Koch

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